Nicht „Made in Europe“, sondern „Made with Europe“
Prof. Dr. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts, kommentiert die „Made in Europe“-Vorgaben der deutsch-französischen Position zum Automotive-Paket vom 15. Oktober 2026, veröffentlicht im Vorfeld des EU-Gipfels in Brüssel:
„Deutschland und Frankreich liegen richtig damit, dass die EU eine strategische Antwort auf den chinesischen Wettbewerbsdruck braucht. Chinas Dominanz bei Batterien und Elektrofahrzeugen spiegelt nicht nur Wettbewerbsfähigkeit wider, sondern auch eine staatlich geförderte Expansion, die zu Überkapazitäten beigetragen hat – weshalb es sowohl wichtig als auch legitim ist, dass Europa die daraus resultierenden Marktverzerrungen angeht.
Doch der vorgeschlagene Ansatz geht am Ziel vorbei. Eine 'Made in Europe'-Regel, definiert als EU-27 plus eine Handvoll Binnenmarktpartner, trifft wichtige Verbündete genauso hart wie China. Während Großbritannien wählen kann, bleiben Japan, Südkorea, Kanada und andere außen vor.
Was Europa braucht, ist nicht 'Made in Europe', sondern 'Made with Europe': ein Bündnis der Mittelmächte, die bereit sind, auf gemeinsame Ursprungsregeln zu setzen und Chinas Wettbewerbsverzerrungen gemeinsam zu begegnen. Eine solche Koalition ist größer, glaubwürdiger und für Peking schwerer zu umgehen als ein europäischer Klub, der Freunde und Verbündete ausschließt.
China einzudämmen ist wichtig und legitim. Das sollte aber gemeinsam mit Verbündeten in einer ähnlichen Lage geschehen. Aus 'Made in Europe' sollte 'Made with Europe' werden.“