Industrieproduktion macht Boden gut
Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Industrieproduktion, wonach diese im September um 1,7 Prozent gestiegen ist:
„Die Industrie hat im September deutlich Boden gutgemacht. Ein kräftiger Produktionsanstieg war absehbar, da Produktionsumstellungen und Werksferien die Fertigung in der Automobilbranche im Juli und August vorübergehend spürbar gebremst hatten. Damit hat die Produktion ihre Delle aus den Vormonaten ausgeglichen. Insgesamt bewegt sich die Industrieproduktion aber weiterhin auf einem niedrigen Niveau.
Die Aussichten, dass die Industrieproduktion wieder auf einen moderaten Aufwärtspfad einschwenkt, haben sich zuletzt verbessert. Das Geschäftsklima in der Industrie hat sich deutlich aufgehellt. Auch die jüngsten Auftragseingänge liefern positive Signale. Eine hohe Dynamik signalisieren die Frühindikatoren allerdings noch nicht. So erfolgte der Stimmungsanstieg von einem ausgesprochen niedrigen Niveau aus, ohne dass die Unternehmen bereits besonders optimistisch in die Zukunft blicken. Die Aufwärtstendenz bei den Auftragseingängen festigt sich zunehmend, wird aber weiterhin von großen monatlichen Schwankungen überlagert.
In den Industriebranchen zeigen sich seit einiger Zeit unterschiedliche Tendenzen. Während einige Branchen ihre Produktion ausweiten, ist in großen Branchen wie dem Maschinenbau und der Automobilindustrie bislang keine nachhaltige Erholung erkennbar. Günstiger entwickeln sich insbesondere Branchen, die stärker vom weltweiten KI-Boom und den steigenden Verteidigungsausgaben profitieren dürften. Die anhaltenden Wettbewerbsprobleme stehen einer breit angelegten Belebung der Industrie jedoch weiterhin entgegen.“