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28.10.2026

Statement

Fed sollte im Oktober pausieren – die Anleihemärkte haben die Zinsstraffung bereits übernommen

Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in den USA, den Leitzins voraussichtlich konstant zu halten:

„Die Fed dürfte den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen, und das ist richtig so. Die Inflation ist mit 3,4 Prozent zwar zu hoch, aber sie kommt vor allem von der Tankstelle: Benzin kostet 34 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dagegen helfen höhere Zinsen wenig. Eine Lohn-Preis-Spirale droht nicht, denn die Löhne steigen mit 3 Prozent langsamer als die Preise. Gleichzeitig kühlt der Arbeitsmarkt deutlich ab: Im September entstanden nur 29.000 neue Jobs, im Juli gingen sogar Stellen verloren.

Ein weiterer Zinsschritt schon jetzt wäre verfrüht – auch weil die Zinswende bei den längerfristigen Zinsen längst stattgefunden hat. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte Anfang Oktober mit 5,31 Prozent den höchsten Stand seit 2002, 30-jährige Hypotheken kosten laut Freddie Mac 7,3 Prozent – jeweils über einen Prozentpunkt mehr als vor einem Jahr, obwohl der Leitzins heute niedriger ist. Laut einer Modellschätzung der Federal Reserve geht nur etwa die Hälfte des Renditeanstiegs auf höhere erwartete Leitzinsen zurück, einschließlich des für Dezember von den Märkten erwarteten Zinsschritts, die andere Hälfte ist eine gestiegene Laufzeitprämie. Aufpassen muss die Fed bei den Inflationserwartungen. Haushalte rechnen zumindest kurzfristig deutlich stärker als Fachleute damit, dass die hohen Energiepreise bleiben. Setzt sich diese Erwartung fest, verstärkt das den Preisdruck.

Der Zinsanstieg trifft die hochverschuldete US-Regierung hart: Die Nettozinsen stiegen im Fiskaljahr 2026 laut vorläufiger Schätzung des Congressional Budget Office um elf Prozent auf 1,14 Billionen Dollar – mehr als jeder fünfte Dollar an Staatseinnahmen fließt in den Schuldendienst. Dabei ist die Inflationskompensation zehnjähriger Anleihen mit rund 2,3 Prozent kaum gestiegen, die Realrendite dagegen um fast einen Prozentpunkt. Die Märkte zweifeln also nicht am Inflationsziel der Fed, sondern verlangen bei einem Defizit von zwei Billionen Dollar mehr Ausgleich für das Halten langlaufender US-Schulden. Die Notenbank darf sich davon nicht leiten lassen. Gefragt ist nach den Zwischenwahlen am 3. November der Kongress.“

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