Wirtschaftspolitischer Beitrag
Industriepolitik für die Verteidigung: Lehren aus der Geschichte
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JEL Classification
Schlagworte
Krieg
Europa
Europäische Union & Euro
Fiskalpolitik & Haushalt
Innovation und Strukturwandel
• Unzureichend auf einen Krieg vorbereitet zu sein, ist gefährlich. Um die Versorgung im Verteidigungsfall zu gewährleisten ist eine Industriepolitik notwendig, mit deren Hilfe die Wirtschaftsstruktur so verändert werden kann, wie wir sie um unserer Sicherheit willen brauchen.
• Das zwanzigste Jahrhundert hat uns zehn Lektionen für eine Industriepolitik für den Verteidigungsfall hinterlassen. Für Industriepolitik sprechen zwei Begründungen: Ohne öffentliche Finanzierung wird zu wenig Anlagekapital für die Verteidigungsindustrie bereitgestellt (Lektion 1). Mobilmachung erfordert Tempo und wird ohne politische Eingriffe durch zahlreiche Friktionen verlangsamt (Lektion 2).
• Zu den weiteren Erkenntnissen gehören: Die meisten Kriegspläne waren nutzlos, doch die Kriegsplanung war unverzichtbar – produktiv war eher der Prozess als der daraus hervorgegangene Plan (Lektion 3). „Sieg um jeden Preis“ ist eine gute Parole, aber in einem langen Krieg spielten auch Kosten eine wichtige Rolle, und es kam darauf an, effizient zu mobilisieren (Lektion 4). Auch Preise waren wichtig; der Impuls, Preise zu kontrollieren, konnte die Anpassung an sich verändernde Knappheiten behindern (Lektion 5). Autarkie war eine Illusion: Der Versuch, sie zu erreichen, hat sehr hohe Kosten verursacht (Lektion 6). Hatte ein Abnutzungskrieg einmal begonnen, gab es keinen technologischen Ausweg in Form von Wunderwaffen (Lektion 7). Inkompetenz und Selbstbereicherung waren Luxusgüter; nur wohlhabende Länder konnten es sich leisten, Ressourcen durch Inkompetenz oder Rent-Seeking zu verschwenden (Lektion 8). Gute Politik war schön und gut, doch letztlich kam es auch auf die Wirtschaftskraft an, die den Ausschlag geben konnte (Lektion 9).
• Die Geschichte mahnt zur Vorsicht: Krieg war nicht das einzige Risiko. Industriepolitik für den Krieg konnte der Wohlfahrt in der Nachkriegswirtschaft im Weg stehen (Lektion 10). Doch das ist ein zweitrangiges Problem; die große Herausforderung von heute war – und ist – bereit für einen Krieg zu sein, falls er morgen kommen sollte.