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27.02.2026

Statement

Reallöhne steigen nach kräftigen Zuwächsen wieder langsamer

Dr. Dominik Groll, verantwortlich für die Arbeitsmarktanalyse am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Lohnentwicklung im Jahr 2025, wonach die Reallöhne um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind:

„Die Löhne und Gehälter je Arbeitnehmer stiegen im Gesamtjahr 2025 trotz des schwachen gesamtwirtschaftlichen Umfelds recht kräftig. Der inflationsbereinigte Zuwachs um 1,9 Prozent ist ein im langjährigen Vergleich hoher Wert. Dem stand kein nennenswerter Anstieg der Arbeitsproduktivität gegenüber. Allerdings bestand noch ein gewisses Aufholpotenzial der Reallöhne infolge des zwischenzeitlichen Inflationsschubs. Das Verhältnis zwischen Lohnkosten und Arbeitsproduktivität befindet sich auf gesamtwirtschaftlicher Ebene nun wieder auf einem historisch gesehen durchschnittlichen Niveau.

Außergewöhnlich groß war die Diskrepanz der Lohnzuwächse zu den in den Tarifverträgen vorgesehenen Anstiegen. Bei den Tarifverdiensten ergab sich ein reales Plus von gerade einmal 0,2 Prozent. Ein Teil der Erklärung für die Diskrepanz könnten hohe Abfindungszahlungen gewesen sein. Vor allem die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess mit umfangreichen Stellenabbauplänen. In großen Unternehmen wird mit Betriebsräten oft ein sozialverträglicher Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen vereinbart. Neben Vorruhestandsregelungen und dem Nicht-Nachbesetzen freiwerdender Stellen kommen auch Abfindungszahlungen zum Einsatz. Auch wenn hierzu repräsentative Daten fehlen, deuten Unternehmensmeldungen daraufhin, dass die angebotenen Abfindungen teils sehr hoch ausfallen.

Im laufenden Jahr 2026 wird der Lohnanstieg voraussichtlich nicht mehr so hoch ausfallen wie im vergangenen Jahr. Gleichzeitig dürfte die Arbeitsproduktivität im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Belebung etwas anziehen. Diese Tendenzen deuteten sich im Schlussquartal des Jahres 2025 bereits an.“

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