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08.05.2026

Statement

Geopolitische Spannungen belasten Industrieaussichten

Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Industrieproduktion, wonach diese im März um 0,9 Prozent gesunken ist:

„Die Aussichten auf eine moderate Erholung der Industrie trüben sich angesichts des Nahostkonflikts und der von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle zunehmend ein. Nachdem die Industrieproduktion in den vergangenen Jahren stark gesunken war, hat sie sich seit einiger Zeit unter größeren monatlichen Schwankungen stabilisiert. Für eine allmähliche Belebung sprachen neben Impulsen der expansiven Finanzpolitik – die sich zuletzt etwa in Form von Großaufträgen im Zusammenhang mit Rüstungsvorhaben widerspiegelten – auch die Stabilisierung des wichtigen Auslandsgeschäfts. Gerade außenwirtschaftlich droht nun jedoch durch den Nahostkonflikt sowie neue US-Zölle der nächste Dämpfer. 

Das Auslandsgeschäft ist in den vergangenen Jahren durch die rückläufige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie spürbar unter Druck geraten. Bereits im vergangenen Jahr hat die Abwärtsdynamik bei den Exporten jedoch nachgelassen. Maßgeblich zum Rückgang im Jahr 2025 beigetragen hat das US-Geschäft, das durch die höheren Zölle und die deutliche Abwertung des US-Dollars belastet wurde. Abseits des US-Marktes entwickelten sich das Exportgeschäft bereits im vergangenen Jahr wieder etwas günstiger; im ersten Quartal des laufenden Jahres stiegen die Exporte insgesamt sogar wieder. 

Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zollerhöhungen auf Automobileinfuhren aus der Europäischen Union würden die Industrie spürbar belasten – nicht nur, weil die Automobilbranche hierzulande nach wie vor eine große Bedeutung für die industrielle Fertigung hat und die USA trotz zuletzt rückläufiger Ausfuhren ein wichtiger Absatzmarkt bleiben. Einseitig gegenüber der Europäischen Union erhobene höhere Zölle würden vielmehr deutlich stärkere negative Effekte haben als breit angelegte Zollerhöhungen, da sie die Wettbewerbsposition europäischer Hersteller gegenüber Anbietern aus Drittstaaten verschlechtern. Ob und in welchem Umfang neue Zölle tatsächlich umgesetzt werden, ist derzeit freilich unklar. Bereits die Ankündigung möglicher neuer Zölle dürfte jedoch die handelspolitische Unsicherheit erhöhen und dadurch die Konjunktur dämpfen.

Negative Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die Industrieproduktion ergeben sich vor allem aus schlechteren Absatzmöglichkeiten in rohstoffimportierenden Ländern, in denen die Nachfrage infolge höherer Rohstoffpreise gedämpft wird. Abgemildert werden diese negativen Effekte jedoch durch die höhere Nachfrage in rohstoffexportierenden Volkswirtschaften, die von den gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren – zumindest sofern deren Absatzmöglichkeiten durch den Konflikt nicht selbst spürbar beeinträchtigt werden –, sowie durch die vergleichsweise hohe Energieeffizienz deutscher Unternehmen. Risiken bestehen insbesondere dann, wenn die Rohstoffpreise für längere Zeit deutlich erhöht bleiben oder es verstärkt zu Lieferengpässen kommt. Zuletzt berichteten Unternehmen bereits vermehrt über Störungen in den Lieferketten.“

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