Reallohnanstieg bislang robust – Dämpfer voraus
Dr. Dominik Groll, verantwortlich für die Arbeitsmarktanalyse am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Lohnentwicklung im ersten Quartal 2026, wonach die Reallöhne um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind:
„Die Bruttomonatsverdienste je Arbeitnehmer legten im ersten Quartal des laufenden Jahres mit nominal 4,1 Prozent ähnlich kräftig zu wie im vorangegangenen Quartal. Da sich die Verbraucherpreisinflation mit 2,2 Prozent ebenfalls kaum änderte, setzte sich der Reallohnanstieg mit 1,8 Prozent unvermindert fort.
Im laufenden, zweiten Quartal wird der Kaufkraftzuwachs für die Arbeitnehmer voraussichtlich einen Dämpfer erleiden. Der Zuwachs der Verbraucherpreise hat sich im März und April durch die kräftig gestiegenen Energiepreise infolge des Irankriegs bereits sichtbar verstärkt. Diese Tendenz dürfte sich auch im Mai und Juni fortsetzen. Zwar gilt für diese beiden Monate der sogenannte Tankrabatt. Dieser gleicht aber – selbst bei vollständiger Weitergabe der Steuersenkung – nur einen Teil des kriegsbedingten Anstiegs der Preise für Diesel und Benzin aus.
Insgesamt ist der Anstieg der Energiepreise aufgrund des Irankriegs bislang nicht zu vergleichen mit dem im Zuge des Ukrainekriegs im Jahr 2022. Zwar bewegt sich die Teuerung bei Benzin, Diesel und Heizöl in einer ähnlichen Größenordnung, allerdings sind Erdgas und Strom weitaus weniger betroffen. Im Ergebnis wird die Kaufkraft der Arbeitnehmer – anders als damals – voraussichtlich nicht sinken, sondern nur weniger stark steigen.“