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06.06.2025

Statement

Industrie trotz Zollerhöhungen bislang robust

Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Industrieproduktion, wonach diese im April um 1,9 Prozent gesunken ist:

„Die deutsche Industrie zeigt sich gegenüber den Zollerhöhungen der USA bislang robust. Der Rückgang der Industrieproduktion im April ist auch vor dem Hintergrund des kräftigen Anstiegs im März zu sehen: Im April lag die Industrieproduktion immer noch über dem Niveau vom Februar. Zu den Schwankungen beigetragen haben vorgezogene Lieferungen in die USA, um höheren Zöllen auszuweichen. Mit den seit April geltenden deutlich höheren US-Zöllen nehmen die Belastungen für die deutsche Industrie zu. In den Auftragseingängen hat der Handelskonflikt jedoch noch keine tieferen Spuren hinterlassen; sie sind im April sogar noch einmal gestiegen. Für eine Entwarnung ist es aber zu früh. So herrscht große Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Handelspolitik. Die Auswirkungen dürften erst verzögert voll zum Tragen kommen.

Die Zollerhöhungen treffen die deutsche Industrie in einer Phase, in der sich die Zeichen gemehrt haben, dass sie ihre langanhaltende Talfahrt beenden wird. So war das Geschäftsklima in der Industrie trotz der US-Zollpolitik zuletzt in der Tendenz wieder aufwärtsgerichtet. Dazu beigetragen haben die Aussichten auf wirtschaftspolitische Reformen und öffentliche Aufträge. Zudem haben sich die Auftragseingänge stabilisiert. Allerdings hat die Industrie noch einen weiten Weg aus der Krise vor sich. Die Produktion befindet sich auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau. Allein in den vergangenen 2 Jahren wurden in der Industrie fast 200-tausend Stellen abgebaut.

Im April waren die Pegelstände im Rhein ungewöhnlich gering. Niedrige Wasserstände, die den Schifffahrtsverkehr einschränken, können die industrielle Produktion grundsätzlich sichtbar belasten, so wie es beispielsweise während der extremen Niedrigwasserphase im Jahr 2018 zu beobachten war. Im April dürften die gesamtwirtschaftlichen negativen Effekte des Niedrigwassers im Rhein jedoch überschaubar gewesen sein. So wurden die kritischen Pegelstände, ab denen die Schifffahrt massiv behindert wird, nur an einigen Tagen unterschritten. Zudem sind Produktionsniveau und Kapazitätsauslastung in der Industrie derzeit ohnehin gering. Schließlich dürften die Unternehmen ihre Lieferketten gegenüber Einschränkungen der Binnenschifffahrt in den vergangenen Jahren robuster ausgerichtet haben.“

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