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30.04.2026

Statement

Deutsche Wirtschaft im Plus, aber Nahostkonflikt trübt den Ausblick

Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2026 des Statistischen Bundesamtes, wonach dieses um 0,3 Prozent gestiegen ist:

"Die deutsche Wirtschaft ist gut in das neue Jahr gestartet. Das deutliche Plus im ersten Quartal ist auch deshalb bemerkenswert, weil nach dem kräftigen Anstieg der Staatsausgaben im vierten Quartal 2025 ein Rückprall drohte, und der harte Winter die Bauproduktion zu Jahresbeginn dämpfte. Seit März belasten zudem die sprunghaft gestiegenen Rohstoffpreise. Bis zum Beginn des Nahostkonflikts mehrten sich die Anzeichen für eine Belebung der deutschen Wirtschaft. Nun drohen die Folgen des Konflikts die Erholung jedoch auszubremsen, noch bevor sie richtig in Gang gekommen ist. Sollten die Rohstoffpreise nicht rasch wieder nachgeben, dürfte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sinken. Darauf deutet auch die spürbar eingetrübte Stimmung bei Unternehmen und privaten Haushalten hin.

Die konjunkturellen Aussichten hängen derzeit maßgeblich vom weiteren Verlauf des Nahostkonflikts ab. Die mit den Rohstoffpreisanstiegen verbundenen Kaufkrafteinbußen werden sich wohl besonders beim privaten Konsum bemerkbar machen, der im vergangenen Jahr noch deutlich zugelegt hatte. Bei anhaltend hohen Rohstoffpreisen dürften die wirtschaftlichen Belastungen überproportional zunehmen, da Unternehmen und private Haushalte ihnen schwerer ausweichen können als bei kurzfristigen Preisschwankungen. Die negativen Effekte würden sich dann erst nach und nach voll entfalten und die wirtschaftliche Dynamik auch im kommenden Jahr noch dämpfen. Risiken gehen nicht nur unmittelbar von höheren Rohstoffpreisen aus. Ein länger anhaltender Konflikt könnte auch zu tiefgreifenden Störungen in den internationalen Lieferketten führen, da die Fertigung von Vorprodukten nicht nur in den Golfstaaten, sondern auch in besonders von der Rohstoffknappheit betroffenen asiatischen Staaten zunehmend beeinträchtigt würde.

Der Nahostkonflikt fällt in eine Phase, in der sich die Signale für eine moderate Erholung verdichtet hatten. So hatte sich die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr stabilisiert, die Unternehmen blickten bis zum Beginn des Konflikts wieder etwas optimistischer in die Zukunft und die Auftragslage hatte ihre Talsohle durchschritten. Positive Impulse gehen jedoch vor allem von der expansiven Finanzpolitik aus, während sich ein Ausweg aus der strukturellen Wachstumsschwäche nicht abzeichnet. Vor diesem Hintergrund war eine breit angelegte, kräftige Erholung ohnehin kaum zu erwarten. Den aktuellen Markterwartungen zufolge geben die Preise für Rohöl und Erdgas zwar wieder nach, bleiben aber noch für längere Zeit auf erhöhtem Niveau. Im Ergebnis würde der Energiepreisschock die Erholung spürbar bremsen, aber nicht vollständig zum Erliegen bringen. "

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