Fed hält Kurs – der Ölpreisschock lässt keine andere Wahl
Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in den USA, den Leitzins heute konstant zu lassen:
„Die Fed wird den Leitzins heute voraussichtlich unverändert im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen – und das ist die einzig richtige Entscheidung. Der Irankrieg hat die Energiemärkte in einen Ausnahmezustand versetzt: Die Schließung der Straße von Hormus hat den Ölpreis auf über 100 US-Dollar je Barrel getrieben, die Benzinpreise an der Zapfsäule haben die psychologisch wichtige Marke von 4 US-Dollar überschritten und die Konsumentenpreisinflation ist im März auf 3,3 Prozent gesprungen. Eine Zinssenkung in diesem Umfeld wäre geldpolitisch nicht zu rechtfertigen – sie würde die Kerninflation anheizen und das Vertrauen in die Preisstabilitätsorientierung der Fed nachhaltig erschüttern.
Die Fed steht vor einem klassischen stagflationären Dilemma: Der Ölpreisschock treibt die Inflation nach oben und dämpft gleichzeitig die Realwirtschaft. Simulationen der Federal Reserve Bank of Dallas zeigen, dass der Schock die Gesamtinflation 2026 um rund 0,6 Prozentpunkte erhöhen könnte – mit dem Risiko von Zweitrundeneffekten auf Lebensmittel-, Transport- und Frachtpreise sowie Inflationserwartungen.
Hinzu kommt die institutionelle Unsicherheit rund um den bevorstehenden Führungswechsel an der Fed-Spitze. Powell muss seine voraussichtlich letzte Zinsentscheidung als Fed-Chair nutzen, um ein klares Signal zu setzen: Die Fed reagiert auf wirtschaftliche Daten, nicht auf politischen Druck. Eine Zinspause ist deshalb nicht nur das ökonomisch Richtige, sondern auch das institutionell Notwendige – um institutionelles Vertrauen in einer Phase des Übergangs zu bewahren.“