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08.10.2026

News

Ukraine Support Tracker: Von Deutschlands 100 Milliarden gingen nur 41 Milliarden in die Ukraine

Von den 100 Milliarden Euro, die die deutsche Bundesregierung als „bilaterale Hilfe für die Ukraine“ ausweist, lassen sich nur rund 41,7 Milliarden Euro als tatsächliche bilaterale Hilfe für die Ukraine einordnen. Das zeigt ein neuer Kiel Policy Brief des Teams des Ukraine Support Tracker, der diese Summe genauer untersucht und sorgfältig aufgeschlüsselt hat. 35,9 Milliarden Euro wurden in Deutschland ausgegeben, größtenteils für ukrainische Geflüchtete, während 22,0 Milliarden Euro auf künftige Zusagen für Militärhilfe entfallen. Außerdem wurde auch der Datensatz des Ukraine Support Trackers aktualisiert. Er umfasst nun Hilfsleistungen, die bis einschließlich August 2026 angekündigt wurden.

Im August bezifferte die Bundesregierung ihre Unterstützung für die Ukraine mit Stand 30. Juni 2026 auf 100 Mrd. Euro: 43,3 Mrd. Euro zivile und 57,6 Mrd. Euro militärische Hilfe, die als „bereitgestellt oder für die kommenden Jahre vorgesehen“ ausgewiesen wurde. Die Summe fand schnell ihren Weg in die mediale und politische Debatte, wurde jedoch selten erläutert oder überprüft. Außerdem ist die deutsche Unterstützung zunehmend schwer nachzuvollziehen: Seit Juni 2025 veröffentlicht die Bundesregierung keine detaillierten Angaben zur Militärhilfe mehr, dem wichtigsten Bestandteil der bilateralen Unterstützung. Gesamtsummen veröffentlicht sie weiterhin, wenn auch ohne Details, was es umso wichtiger macht die genauen Bestandteile der Hilfen zu verstehen.

Großteil der zivilen Ukraine-Hilfe bleibt in Deutschland

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass von den ausgewiesenen 43,3 Mrd. Euro ziviler Hilfe, 35,9 Mrd. Euro bzw. rund 80 Prozent in Deutschland ausgegeben wurden. Der größte Posten sind 27,45 Mrd. Euro Bürgergeld für ukrainische Geflüchtete, weitere 7,15 Mrd. Euro gingen für ihre Unterbringung und Unterstützung an Länder und Kommunen. 1,3 Mrd. Euro entfallen auf Export- und Investitionsgarantien für deutsche Unternehmen, die in der Ukraine Geschäfte machen.

Lediglich 7,4 Mrd. EUR flossen in die Ukraine: 6,3 Mrd. Euro für humanitäre Hilfe, Energie-Nothilfe und den Wiederaufbau ukrainischer Behörden, 1 Mrd. Euro als Zuschuss zu einem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verwalteten Konto für den ukrainischen Staat und 0,1 Mrd. Euro für Schuldenerleichterungen durch Aussetzung des Schuldendienstes.

„Der Großteil dessen, was die Bundesregierung als zivile Unterstützung für die Ukraine zählt, wird tatsächlich in Deutschland ausgegeben – für Ukrainerinnen und Ukrainer, die hier leben“, sagt Christoph Trebesch, Leiter des Ukraine Support Trackers. „Dieses Geld hilft der ukrainischen Regierung nicht, sich gegen die russischen Angriffe zu verteidigen. Schließlich sprechen wir bei Sozialausgaben für syrische Geflüchtete auch nicht von ‚bilateraler Hilfe für Syrien‘.“

Deutsche Militärhilfen fallen niedriger aus

 Die von der Bundesregierung für Militärhilfe ausgewiesene Summe beträgt 57,6 Mrd. Euro. Wenn man diese Summer aufschlüsselt, zeigt sich, dass Deutschland laut Bundeshaushalt zwischen 2022 und 2025 rund 22,7 Mrd. Euro Militärhilfe bereitgestellt hat. Für 2026 wurden weitere 11,6 Mrd. Euro zugewiesen. Wie viel davon bereits ausgezahlt wurde, ist nicht bekannt. Weitere 22 Milliarden Euro sind künftige Zusagen: 10,1 Milliarden Euro sind verbindlich zugesagt, 12 Mrd. EUR entfallen auf Verpflichtungsermächtigungen. Damit beläuft sich die nachvollziehbare Gesamtsumme der Militärhilfe auf 56,3 Milliarden Euro und liegt damit 1,3 Milliarden Euro unter dem von der Bundesregierung ausgewiesenen Betrag. Die Bundesregierung liefert jedoch keine Hinweise darauf, wie sich diese Summe aufschlüsseln lässt. Weitere Einzelheiten zur Aufschlüsselung der Zahlen und zur Abstimmung der unterschiedlichen Angaben stehen im heute veröffentlichten Kiel Policy Brief: “How much aid has Germany given to Ukraine?”

100 Mrd. Euro führen in die Irre

Insgesamt zeigt sich damit, dass die ausgewiesenen 100 Mrd. Euro nur teilweise als „bilaterale Hilfe“ einzuordnen sind. Nur 40 Prozent bzw. rund 41 Mrd. Euro flossen tatsächlich in die Ukraine, 36 Mrd. Euro wurden in Deutschland ausgegeben, weitere 22 Mrd. Euro sind künftige Zusagen, deren Umsetzung offen ist. 

„Deutschland ist Europas größter Geber für die Ukraine. Doch die Kommunikation der Bundesregierung über ihre Hilfen wird zunehmend unübersichtlich“, sagt Trebesch. „Die Summe von 100 Mrd. EUR ist irreführend, wenn sie als ‚bilaterale Hilfe für die Ukraine‘ bezeichnet wird. Das ist bedauerlich, gerade weil Deutschland so viel leistet.“

Jetzt Kiel Policy Brief lesen:


Über den Ukraine Support Tracker  

Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar 2022 zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 41 Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea, Türkei, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei, China, Taiwan, Indien und Island. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt; private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder – etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.

Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.

Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an ukrainetracker@ifw-kiel.de geschickt werden. 

Mehr Informationen und alle Detaildaten finden Sie auf der Webseite des Ukraine Support Trackers 

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