Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

27.03.2020

Statement

Coronavirus: Blindflug beenden, Datenbasis verbessern

IfW Kiel-Präsident Gabriel Felbermayr fordert Breitentests auf den neuen Coronavirus, um die Grundlage für einen Ausstieg aus den Notfallmaßnahmen zu legen.

IfW-Kiel-Präsident Gabriel Felbermayr hält die derzeit verfügbaren Daten zur Ausbreitung des neuen Coronavirus in Deutschland für unzureichend, um weitreichende politische und wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen:

„Wir brauchen sehr schnell regelmäßige Breitentests, um verlässliche Daten über die Verbreitung des neuen Coronavirus in der Bevölkerung zu gewinnen. Andernfalls kann die Politik nicht verantwortungsvoll entscheiden, ob und wann die derzeitigen Notmaßnahmen gelockert werden können. Die bislang von Gesundheitsbehörden erhobenen Daten sind dafür unzureichend, weil sie - richtigerweise - vor allem unter der Maßgabe des Gesundheitsschutzes gesammelt werden. Als Basis für politisch und wirtschaftlich weitreichende Entscheidungen brauchen wir laufend aktualisierte Informationen, wie stark die Gesamtbevölkerung bereits infiziert oder immunisiert ist und wie die sozio-ökonomischen und demographischen Charakteristika der Risikogruppen sind.

Die Breitentests sollen nicht die für den Gesundheitsschutz notwendigen Laborkapazitäten belasten. Um das sicherzustellen, können weniger aufwändige Antikörpertestverfahren zum Einsatz kommen und Labore, die nicht für den klinischen Bedarf benötigt werden. Breitentests ließen sich innerhalb weniger Wochen auf Basis bereits vorhandener medizinischer Kohorten-Untersuchungen von tausenden von Personen aufsetzen.

Bildlich gesehen befinden wir uns im Blindflug, die Voraussetzungen für einen kontrollierten Landeanflug zur Rückkehr ins normale Leben sind nicht gegeben.

Wir können Deutschland nicht viele Monate im Mindestbetrieb fahren. Das ist sehr teuer, untergräbt die wirtschaftliche Basis für die Bekämpfung der Epidemie und führt zu weiteren gesundheitlichen Schäden, beispielsweise Depressionen. Um aber mit minimalem Risiko wieder mehr geschäftliche und soziale Aktivität zuzulassen, braucht es eine gute Messinfrastruktur. Bildlich gesehen befinden wir uns im Blindflug, die Voraussetzungen für einen kontrollierten Landeanflug zur Rückkehr ins normale Leben sind nicht gegeben. Unverlässliche Daten sind weder für die Gesundheit noch für das Vertrauen in die demokratischen Institutionen gut."

Fachlicher Kontakt

Medienkontakt

Mehr Statements

  • Statement

    19.03.2026

    EZB darf sich vom Ölpreisschock nicht treiben lassen – Lehren aus 2022 richtig einordnen

    Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der…

  • Statement

    18.03.2026

    Zinssenkung durch Ölpreisschock faktisch vom Tisch

    Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in…

  • Statement

    04.03.2026

    Drei Fliegen, kein Treffer: Europas Industriepolitik im Kompromissmodus

    Dr. Finn Ole Semrau, stellvertretender wissenschaftlicher Leiter im Industrial Policy Lab (IP Lab) am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert…

Experten

Medienkontakte