Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

06.05.2021

Statement

Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe geopolitisches Manöver der USA

Gabriel Felbermayr, Präsident des IfW Kiel, kommentiert die Zustimmung der USA, den Patentschutz von Covid-19-Impfstoffen auszusetzen:

„Die USA sind nun bereit, über eine temporäre Aussetzung des Patentschutzes von Covid-19-Impfstoffen zu sprechen. Damit gehen Sie auf Forderungen von ärmeren Ländern, der Weltgesundheitsorganisation und von NGOs ein.

Das ist eine dramatische Kursänderung, die damit zu tun hat, dass die Versorgung der USA mit Impfstoffen gesichert erscheint. Dazu kommt, dass China und Russland ihre Impfstoffe aggressiv in ärmeren Ländern anbieten. Daraus resultiert für die USA die Gefahr, geopolitisch und wirtschaftlich in diesen Märkten marginalisiert zu werden. Durch die Patentaussetzung wird hier entgegengesteuert.

Außerdem können die wirtschaftlichen Auswirkungen der Aussetzung des Patentschutzes sechs Monate nach Produktionsbeginn der Präparate besser eingeschätzt werden. Zugang zu Rezepturen bedeutet noch nicht erfolgreiche Produktion. Gleichzeitig ist die Anzahl von Herstellern auch ohne Freigabe der Patente in den letzten Monaten immer weiter gestiegen, was den Wettbewerb sowieso beleben und die Preise stark drücken würde.

Das zukünftige Geschäft wird vermutlich stark von Updates der Impfstoffe bei Auftreten immer neuer Varianten getrieben werden. Man wird daher sehr genau beobachten müssen, welche Patente und zu welchen Zeitpunkten freigegeben werden und auf welchen Märkten Generica überhaupt verkauft werden dürfen. Wenn die aktuellen Rezepturen für einige Monate auf den lukrativsten Märkten geschützt bleiben, wird sich der Schaden für die Unternehmen in Grenzen halten. So selbstlos ist der Politikwechsel der USA wohl nicht. Die großen US-Produzenten werden vermutlich auch ohne Patente gut im Geschäft bleiben.

Trotzdem geht von der Aussetzung des Patentschutzes ein sehr problematisches Signal aus. Hunderte Unternehmen haben viele Milliarden Euro in Forschung investiert, nur wenige waren erfolgreich. Für die Branche ist es notwendig, dass sich Forschung im Durchschnitt lohnt. Patentschutz spielt hier eine herausragende Rolle. Jetzt besteht die Gefahr, dass die Industrie ihre Forschungsausgaben zurückfährt, wenn sie nicht sicher ist, dass neue Wirkstoffe, z.B. gegen Virusvarianten, auch geschützt werden. Es muss mit Spill-Over-Effekten auch in andere Bereiche der medizinischen Forschung gerechnet werden.“

Fachlicher Kontakt

Medienkontakt

Oops, an error occurred! Request: 85c65ba9f1d96 Event: d2422796be7c4ee192a02603fa3e749f

Mehr Statements

  • Statement

    08.07.2026

    Verteidigungshaushalt 2027: Viel Geld, falsche Prioritäten

    Johannes Binder, wissenschaftlicher Referent des Präsidenten und Forscher mit Schwerpunkt Verteidigungsökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft,…

  • Statement

    07.07.2026

    Kiel Institute Statement - Michael Stolpe

    Krankenstand senken, ohne zusätzliche Infektionsrisiken zu schaffen

    Dr. Michael Stolpe, Leiter des Projektbereichs Globale Gesundheitsökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die Reformpläne der…

  • Statement

    02.07.2026

    Kiel Institute Statements - Jens Boysen-Hogrefe

    Reform-Paket – Noch ein weiter Weg zu mehr Wachstum

    Prof. Dr. Jens Boysen-Hogrefe, stellvertretender Konjunkturchef, kommentiert das heute verkündete Reform-Paket der Bundesregierung.

Experten

Medienkontakte

Oops, an error occurred! Request: 85c65ba9f1d96 Event: 6ae1685135384881b5f2187bc0889d1d