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07.05.2025

Statement

Die Unabhängigkeit der Fed steht auf dem Spiel

Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in den USA, den Leitzins unverändert zu lassen:

„Die Federal Reserve (Fed) steht in dieser Woche vor einer geldpolitischen Entscheidung, deren Bedeutung weit über ökonomische Kennzahlen hinausgeht. Präsident Trump hat in den vergangenen Wochen den Druck auf die Fed massiv erhöht und öffentlich wiederholt Zinssenkungen gefordert – mit der eindeutigen Erwartung, die Geldpolitik müsse seine wirtschaftspolitische Agenda flankieren. Diese Form der politischen Einflussnahme ist ungewöhnlich aggressiv und erinnert an Zeiten der 1970er Jahre, als die politische Unabhängigkeit der US-Zentralbank unter Präsident Nixon massiv infrage gestellt wurde. Die Fed steht damit vor einem Dilemma: Hält sie die Zinsen weiterhin konstant, wird der politische Druck von Präsident Trump voraussichtlich ansteigen. Senkt sie jedoch die Zinsen, z.B. um einer drohenden Rezession entgegenzuwirken, könnte dies unabhängig von der ökonomischen Begründung als Verlust ihrer institutionellen Autonomie verstanden werden. Dies hätte womöglich einen dauerhaften Vertrauensverlust an den Finanzmärkten mit unabsehbaren Folgen für den US-Dollar zur Folge.

Fed-Chairman Jerome Powell hat mehrfach betont, dass geldpolitische Entscheidungen unabhängig getroffen werden müssen und sich ausschließlich an der wirtschaftlichen Lage orientieren dürfen. Die aktuellen Daten sprechen weiterhin für eine abwartende Haltung mit unveränderten Zinsen: Die Inflation hat sich seit Jahresbeginn auf einem Niveau von etwas über 2 Prozent stabilisiert, während der Arbeitsmarkt – trotz hoher politischer Unsicherheit und einem leichten Rückgang des BIP im ersten Quartal – bislang robust bleibt. Eine weitere Zinssenkung erscheint aus Sicht der wirtschaftlichen Fundamentaldaten derzeit nicht zwingend erforderlich.

Die heute erwartete Zinsentscheidung der Fed lässt sich klar ökonomisch begründen, und die Fed sollte dies sehr transparent kommunizieren, um ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit zu stärken und sich dem politischen Druck entgegenzustellen. In einem Umfeld wachsender politischer Polarisierung und geopolitischer Spannungen ist die geldpolitische Glaubwürdigkeit einer der wichtigsten Stabilitätsanker der US-Wirtschaft. Gleichzeitig muss sie bereits jetzt über Strategien nachdenken, wie Zinssenkungen im Laufe des Jahres 2025 kommuniziert werden können, ohne die Glaubwürdigkeit zu gefährden. Die Unabhängigkeit der Fed steht auf dem Spiel – sie zu verteidigen ist in diesen Tagen wichtiger denn je.“

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