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IfW Kiel in den Medien

»Wir geben gerade sehr viel Geld aus, bauen aber nicht die Armee der Zukunft«

Spiegel

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Für die Stärkung der Bundeswehr fordert der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft Moritz Schularick eine andere Beschaffungspolitik. Nur dann könne Europa sich aus der Abhängigkeit von den USA befreien.

 

SPIEGEL: Herr Schularick, seit März 2025 sind die Verteidigungsausgaben weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen. Enorme Investitionen in die Aufrüstung sind möglich. Wie lange können wir uns das leisten?

 

MS: Über das nächste Jahrzehnt gesehen habe ich keine Bauchschmerzen. Natürlich sollten wir die Verteidigungsausgaben so bald wie möglich in den regulären Haushalt integrieren. Aber (...)

 

SPIEGEL: Die Bundesregierung hat sich verteidigungspolitisch großen Spielraum verschafft. Nutzt sie diesen klug?

 

MS: Ich habe da erhebliche Zweifel. Wir geben gerade sehr viel Geld aus, bauen aber nicht die Armee der Zukunft. Die deutsche Strategie - wenn man sie so nennen will - ist, dass wir bis 2029 für Hunderte Milliarden Euro vor allem alte Waffensysteme kaufen. Was der Bundestag bereits jetzt an Aufträgen für die nächsten Jahre genehmigt hat, geht weiterhin zu 80 bis 90 Prozent in Altsysteme. Erst irgendwann in den nächsten Jahrzehnten wollen wir uns dann ernsthaft um die neuen Technologien kümmern. Das ist Wahnsinn. Wir können das Geld nur einmal ausgeben. (...)

 

MS: Die deutschen Beschaffer sind auf dem europäischen Auge blind. Sie analysieren zu wenig, wie Europa unabhängig von den USA und technologisch souverän werden kann. Wir müssten das Geld gezielt so einsetzen, dass Europa sich so schnell wie möglich ohne die USA verteidigen kann. Statt dessen werden wir bis zum Ende des Jahrzehnts fast 700 Milliarden Euro in die Verteidigung stecken und am Ende genauso abhängig von Amerika sein wie bisher. (...)

 

SPIEGEL: Sie meinen den Radpanzer Boxer. An dessen Hersteller KNDS will sich der Staat für viele Milliarden Euro beteiligen. Ist das schlecht investiertes Geld?

 

MS: Die ganze KNDS-Saga ist beispielhaft dafür, mit wie wenig ökonomischem Sachverstand aufgerüstet wird. Erst haben wir diesen Konzern über staatliche Aufträge sehr wertvoll gemacht. Und nachdem wir ihn maximal aufgepumpt haben, wollten wir dann 40 Prozent der Anteile zu einem entsprechend hohen Preis kaufen, allerdings erst nach dem sich die Eigentümerfamilien vor ein paar Monaten noch mit einer Dividende von einer Milliarde Euro die Taschen gefüllt hatten. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Moritz Schularick
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