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IfW Kiel in den Medien

Wie die USA in eine Finanzkrise schlafwandeln könnten

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Die hohe Verschuldung der USA ist in aller Munde. Wenn die Regierung von Donald Trump keinen klugen Ausweg wählt, könnte aus einer Schuldenkrise ein Vertrauensverlust und damit eine neuerliche Finanzkrise heranwachsen.

 

(...) Projektionen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sehen die USA bei Budgetdefizitraten von sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und fehlenden Plänen zur Schuldenkonsolidierung schon 2031 bei einer Bruttoverschuldungsrate auf dem Rekordniveau von 142 Prozent des BIP gegenüber 126 in diesem Jahr.

 

(...) Die Geschichte von Schuldenkrisen in Entwicklungsländern von vor 40 Jahren kennt eine Faustformel: Eine Krise beginnt entweder dann, wenn das Wirtschaftswachstum nicht mehr ausreicht, um den Zinsdienst zu leisten. Oder wenn eine Regierung nicht mehr willens ist, ihren Bürgern über Steuererhöhungen so viele Mittel zu entziehen, dass damit der Zinsdienst geleistet werden kann.

 

Die USA aber sind kein Entwicklungsland, das hauptsächlich ausländische Gläubiger in Fremdwährungen hat, (...) Anders als Entwicklungsländer stehen die USA zu drei Vierteln bei inländischen Gläubigern wie der eigenen Notenbank Fed und Pensionsfonds im Obligo.

 

Der ominöse Mar-a-Lago-Plan, ausländischen Gläubigern einen Schuldenschnitt zuzumuten, würde also nur ein Viertel der amerikanischen Schulden betreffen. Dieser Plan ist nicht akut, aber immer noch im Gedächtnis der Finanzmärkte. Das ist wichtig, denn es ist möglich, dass sich das Verhältnis zwischen inländischen und ausländischen Gläubigern der amerikanischen Schulden auch aus diesem Erinnern heraus zukünftig weiter zugunsten der inländischen Gläubiger verschiebt.

 

(...) Die US-Regierung fragmentiert zudem mit ihrer Zollpolitik die globalen Gütermärkte, streut mit der trumpschen Vorliebe für das Betreiben von Unsicherheit Sand ins Getriebe der Weltwirtschaft und schneidet sich damit selbst von ausländischen Kreditquellen ab.

 

Den wichtiger werdenden inländischen Gläubigern will Trump weder Steuererhöhungen zumuten, noch will er die Ausgaben begrenzen. Stattdessen bläht er den Rüstungsetat in der Folge seines Iran-Abenteuers weiter auf und setzt auf seine Geheimwaffe: eine neue Wachstumsdynamik dank der Produktivitätsgewinne aus der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Privatisierung von Geld, also eine Wette auf mehr Steuereinnahmen, ohne die KI-Unternehmen selbst zu besteuern. Die Wette ist höchst riskant.

 

(...) Der hohe Finanzbedarf der KI-Unternehmen könnte zinserhöhend wirken und damit andere Wirtschaftszweige von Krediten abschneiden. Auch das Regierungsbudget hätte diese Zinserhöhungen zu verkraften. Unter diesen Umständen könnte die Regierung als Ultima Ratio zum Instrument der finanziellen Repression greifen. Sie könnte die Forderungen ihrer inländischen Gläubiger durch Inkaufnahme höherer Inflation real entwerten und den ausländischen Gläubigern den im Mar-a-Lago Plan angedachten Schuldenschnitt zumuten.

 

Wie 2008 wäre aber eine Finanzkrise nicht gleichbedeutend mit einer US-Schuldenkrise. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Rolf J. Langhammer
    Kiel Institute Researcher

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