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IfW Kiel in den Medien

Was braucht die Truppe? Ein Streitgespräch

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Der Ökonom Moritz Schularick kritisiert fehlende Investitionen in Drohnen und moderne Technik für die Bundeswehr. Ex-Heeres-Inspekteur Alfons Mais sieht das Problem eher in mangelnder Umsetzung. Ein Streitgespräch

 

WW: Herr Schularick, Deutschland gibt mehr Geld für Rüstung aus als alle anderen Länder in Europa. Bekommt es dafür die vom Kanzler versprochene "stärkste konventionelle Armee Europas"?

 

MS: Wenn wir so weitermachen wie bisher, bekommen wir die teuerste Armee Europas - aber nicht die stärkste.

 

Wir haben sehr viele Rüstungsgüter bestellt, die unsere Streitkräfte in den vergangenen 20 Jahren nicht haben durften. Aber sehr wenig für das, was wir morgen brauchen. Vom ersten Sondervermögen sind über 95 Prozent in alte Militärtechnologien geflossen. Auch bei Beschaffungen in den nächsten Jahren gehen knapp 90 Prozent in traditionelle Systeme. Gedanklich ist die Bundeswehr von einem technologischen und ökonomischen Paradigmenwechsel noch weit entfernt. (...)

 

WW: Wir investieren viel - und falsch?

 

MS: Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass wir 3000 bemannte Radpanzer mit Lieferdatum im nächsten Jahrzehnt bestellen, statt auf unbemannte Landfahrzeuge zu setzen, die in der Ukraine zuletzt feindliche Stellungen einnehmen konnten. Wir machen in der Truppe das, was wir auch in der Autoindustrie gemacht haben: Wir verschlafen die Zukunft.

 

WW: Herr Mais, Sie waren bis Ende 2025 oberster Soldat des Heeres. Und haben die Bundeswehr zu Beginn von Russlands Invasion in der Ukraine "blank" dastehen sehen. Wie ist die Lage heute? Teilen Sie die Kritik des Ökonomen?

 

AM: Herr Schularick braucht an dieser Stelle kein Verständnis, er ist kein Soldat und muss nicht in den Krieg ziehen. Die Realität sieht doch so aus: Die Russen haben noch immer 11 000 Gefechtsfahrzeuge in der Ukraine stehen. Sollten sie es schaffen, einen effektiven, aktiven Drohnenschutz herzustellen, rollt diese Armada wieder - und der Drohnenaufschwung wird zum Teil neutralisiert. Ich gehe bei diesem Hype nicht ganz mit.

 

WW: Die Bundesregierung investiert also doch richtig?

 

AM: Wir haben nicht immer das bestellt, was die Bundeswehr braucht. Das stimmt. Zurückweisen würde ich die Erzählung, dass die Truppe mehr oder weniger blind großes Gerät einkauft, während sie in Wahrheit Drohnen bräuchte. (...)

 

WW: Machen Sie es sich in Ihrer Kritik zu einfach, Herr Schularick?

 

MS: Nein. Und ich sehe auch gar keinen Widerspruch. Genau deshalb, weil Soldatinnen und

Soldaten fehlen, ist die Verteidigung mit unbemannten Systemen und Robotik sinnvoll. Übrigens auch mit Blick auf den Aufwuchs unserer Fähigkeiten. Der Leopard 2 ist ein toller Panzer, aber wir produzieren nicht Hunderte oder Tausende im Jahr, sondern ein paar Dutzend: in einer Rüstungsmanufaktur sozusagen, mit viel Handarbeit, teuer und langsam. Hilft das in einem Abnutzungskrieg? Ich bezweifle es. Unsere traditionelle Verteidigungsindustrie ist nicht skalierbar. Unbemannte Systeme ergeben verteidigungsökonomisch für ein Land wie Deutschland viel Sinn. (...)

 

AM: Die Truppe braucht die gesamte Breite an Ausrüstung in einer belastbaren Menge. Und zwar schnell! Es geht zu zäh. Nicht mal Rüstungslobbyisten können mir ein einziges großes Rüstungsprojekt der Landstreitkräfte seit der Zeitenwende nennen, das pünktlich, im Kostenrahmen und mit der bestellten Leistung ausgeliefert wurde. Da stimmt doch etwas nicht. (...)

 

WW: Ist das Restvertrauen in die USA als Schutzmacht immer noch zu groß?

 

MS: Aus der Bundeswehr hört man oft, dass ohne die Amerikaner nichts geht. Ich hätte lieber Streitkräfte, die ihrem Land sagen: Zur Not können wir das auch allein als Europäer und bereiten uns darauf vor. Das Fernziel einer Europäischen Verteidigungsunion muss konkrete Perspektive werden.

 

AM: Es irrt, wer glaubt, man könne Europas Verteidigung über die EU organisieren. Das werden meine Urenkel nicht erleben. Ich habe drei Jahre in der deutschen EU-Vertretung gearbeitet. Das Thema Verteidigung liegt einfach nicht in der DNA der EU, das geht nur über den europäischen Pfeiler der Nato. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Moritz Schularick
    Präsident

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