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Stefan Kooths liest: "Gefährliche Rivalitäten"

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Es vergeht kaum ein Tag, an dem der Verlust der "regelbasierten" Weltordnung nicht bedauert wird. Je aufgeregter die Debatten, desto wohltuender wirkt der souveräne Blick des Historikers, der Trends und Brüche einordnet. Mit "Gefährliche Rivalitäten" leistet der Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe genau das. Er leitet aus dem Wandel der Wirtschaftsordnung seit der Aufteilung der Welt zwischen Spanien und Portugal zwar Lehren für die Gegenwart ab, hält sich aber fern von historischem Determinismus. Die Zukunft ist offen, aber "der Überraschungseffekt von Ereignissen sinkt, wenn die historische Bildung steigt". Man kann das Buch als historische Folie der "Geoökonomie" lesen, obwohl der Autor diesen Begriff nicht verwendet.

 

Die zwölf Kapitel liefern keine Chronologie, (...) sondern spüren den Mustern nach, die epochenübergreifend wirken könnten. Das zentrale Thema des Buches ist die "Paradoxie von Ordnung und Rivalität", durch die eine etablierte Weltordnung allmählich instabil wird. Das Argument geht wie folgt: Politische und militärische Macht fußen auf ökonomischer Potenz. Ein Hegemon, der einen globalen Wirtschaftsraum garantiert, stellt einen Ordnungsrahmen bereit, von dem zwar alle profitieren, aber nicht alle im gleichen Maße. Er dient vor allem den aufholenden Ländern als Trittbrettfahrer dieser Ordnung, wodurch sich die Kräfteverhältnisse nach und nach verschieben. (...) Die Vorstellung von einer fortwährend stabilen Weltwirtschaftsordnung erscheint also als "unhistorisch". (...)

 

Die stabilisierende Gegenkraft bilden die oft verkannten Vorteile der internationalen Arbeitsteilung. (...). Plumpe stellt sie in Rechnung und erkennt im Entwicklungsmuster der Weltordnung einen Zyklus, bei dem sich Konfliktphasen und friedliche Perioden abwechseln.

 

Eine weitere Stärke des Buches liegt in der Verbindung zur Ideengeschichte. Diese hat der weltwirtschaftlichen Entwicklung zwar Impulse gegeben, aber Plumpe zeigt, dass Erfahrung und pragmatische Überlegung für Entscheidungen oft wichtiger waren als theoretische Paradigmen. Umgekehrt lehrt die lange Geschichte des Merkantilismus bis heute, wie konzeptionelle Irrtümer in wechselnden Gewändern immer wieder Menschen in ihren Bann ziehen. Heutige Wirtschaftskrieger sollten die Passagen studieren, die die dürftige Bilanz von Sanktionen und Protektionismus zeigen. Dies gilt besonders für Versuche, aufholende Länder auf Distanz zu halten. (...)

 

Die historische Lektion ist eine andere: Statt die Herausforderer zu schwächen, gilt es, den eigenen Standort in seiner Fähigkeit zu stärken, sich an den Strukturwandel anzupassen. Im Vorbeigehen räumt Plumpe mit dem postkolonialen Mythos auf, wo nach der Aufstieg des Westens dem Zugriff auf die Ressourcen ihrer damaligen Kolonien geschuldet sei, (...)

 

Fazit: Plumpe bietet Wirtschaftsgeschichte vom Feinsten - mit einer Fülle von Lehren, Ratschlägen und Warnhinweisen. Wer die heutigen Debatten verstehen und mitreden will, sollte es lesen.

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Stefan Kooths
    Forschungsdirektor

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