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IfW Kiel in den Medien

„Mindestens ein großer deutscher Autohersteller wird verkauft oder zerschlagen“

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WIWO: Herr Schularick, die Chefs von Aumovio, Mercedes und Jungheinrich wollen, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit erhöhen – die Löhne aber nicht anpassen. Was halten Sie von dieser Forderung?

 

MS: Die Arbeitskosten sind aus Sicht der Arbeitgeber tatsächlich stark gestiegen. Deswegen sollten wir über die Arbeitszeit in Deutschland diskutieren. Denn eine Erhöhung käme der Wirtschaft in zweierlei Hinsicht zugute: Sie würde die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern und dem sinkenden Arbeitskräfteangebot entgegenwirken.

 

WIWO: Aber die Reallöhne liegen auf dem Niveau von 2019. So stark können sie zum Kostenanstieg nicht beigetragen haben.

 

MS: Das stimmt, aber zu den Arbeitskosten zählen ja auch die gestiegenen Sozialabgaben. Am Ende ist die Höhe der Stundenlöhne nicht das entscheidende Problem. Viel schwerer wiegt das bürokratisierte und rigide Arbeitsrecht, (...)

 

WIWO: Wäre dann nicht die Lockerung des Kündigungsschutzes sinnvoller als höhere Arbeitszeiten?

 

MS: Die Forderung nach höherer Arbeitszeit kommt vor allem aus älteren Industriebranchen wie der Autoindustrie, die in einem sehr harten Preiswettbewerb stehen und deswegen Kostensenkungen durchsetzen wollen. Was aber stimmt: Der Reformdruck kommt in Deutschland erst in den Köpfen an, wenn der Arbeitsmarkt abstürzt. Würden wir den Kündigungsschutz abschaffen und durch eine einjährige Übergangsregelung ersetzen, würde das eine unglaubliche Dynamik auslösen.

 

WIWO: In der Autoindustrie kriselt es besonders stark. Was bringen höhere Arbeitszeiten, wenn die Werke schon jetzt nicht ausgelastet sind?

 

MS: Das ist zu statisch gedacht. Die Werksauslastung ist abhängig von den Produktionskosten. Wenn die Lohnkosten sinken und sich die Technologie verbessert, dann ist es durchaus denkbar, dass diese Werke in Zukunft wieder stärker ausgelastet sind. (...)

 

WIWO: Die Phase der wirtschaftlichen Stagnation läuft seit bald vier Jahren. Hat die Krise in der Industrie eine neue Qualität bekommen?

 

MS: Bis vor einem halben Jahr waren die höchsten Repräsentanten der Automobilbranche immer noch damit beschäftigt, das Problem zu leugnen. Jetzt ist zumindest klar, dass die deutschen Autoproduzenten ein massives Problem haben: bei der Technologie, bei den Kosten und bei der Nachfrage. Ich glaube, dass mindestens einer der drei großen Autohersteller in diesem Jahrzehnt ins Ausland verkauft oder zerschlagen wird.

 

WIWO: Woran machen Sie das fest?

 

MS: An der Position der deutschen Automobilindustrie gegenüber China. Für viele Jahre waren die Autobauer die größten Bremser einer strategisch ausgerichteten Chinapolitik, die Wettbewerbsverzerrungen, Subventionen und Wechselkursunterbewertungen etwas entgegensetzt. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Moritz Schularick
    Präsident

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