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Kieler Forscher: «Wir sollten Chinas Subventionen ausbeuten. Wenn uns China seine Produkte billig anbietet, sollten wir dieses Geschenk annehmen»

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NZZ: Professor Kooths, China war lange Zeit ein wichtiger Kunde der deutschen Wirtschaft. Mittlerweile ist das Land zu einem Konkurrenten geworden, der den deutschen Exporteuren die Märkte streitig macht. Müssen wir uns vor China fürchten?

 

SK: Es überrascht nicht, dass sich China von einem ergiebigen Absatzmarkt zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber für die deutschen Unternehmen entwickelt hat. China hat sich gegenüber dem Weltmarkt geöffnet und dadurch wirtschaftlich sowie technologisch aufgeholt. Anfangs waren es arbeitsintensive Massengüter, mit denen China die Welt belieferte. Mittlerweile bieten Unternehmen aus Fernost hochwertige Industriegüter an, mit denen sie auch Deutschland Konkurrenz machen.

 

NZZ: Der chinesische Staat subventioniert die Unternehmen. Laut Berechnungen der Industrieländerorganisation OECD beruhen 60 Prozent der weltweiten Marktanteilsgewinne Chinas auf staatlichen Subventionen. Das ist kein fairer Wettbewerb.

 

SK: Man muss die Dinge auseinanderhalten. Auf der einen Seite gibt es in China den vom Markt getriebenen Aufholprozess. Er findet unabhängig von staatlichen Hilfen statt. Auf der anderen Seite lenkt die Regierung in Peking die Produktion mit Subventionen in staatlich vorgedachten Bahnen. Das ist langfristig kein erfolgversprechender Weg. Dass die Regierung ihn gleichwohl eingeschlagen hat, hängt auch mit der Politik in Deutschland und anderen westlichen Ländern zusammen.

 

NZZ: Wie das?

 

SK: Die Regierungen im Westen haben für ihre Dekarbonisierungsziele massive Subventionen ins Schaufenster gestellt. Sie gewähren Kaufhilfen für E-Autos, Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen und subventionieren die Windkraft. Für die Regierung in Peking ist das wie eine Einladung, die Produktion dieser Güter zu forcieren und in den Westen zu exportieren. (...)

 

NZZ: Bei seltenen Erden verfügt China schon jetzt über viel Macht . . .

 

SK: Das liegt daran, dass sich die westlichen Länder aus Umweltgründen aus der Exploration und der Verarbeitung seltener Erden verabschiedet haben. Wir haben China das Feld überlassen . . .

 

.NZZ:  . . und sind jetzt auf Gedeih und Verderb der Regierung in Peking ausgeliefert.

 

SK: Sollte China seine marktbeherrschende Stellung bei seltenen Erden missbrauchen, wäre seine Reputation als verlässlicher Handelspartner perdu. Das werden sich die Chinesen genau überlegen. Denn China ist seinerseits abhängig vom Westen, etwa bei Anlagen zur Herstellung von Hochleistungschips. Zudem ist China angesichts der schwachen Nachfrage im Inland auf Exporte in die westlichen Länder angewiesen. (...)

 

NZZ: Was schlagen Sie vor?

 

SK: Wir sollten Chinas Subventionen ausbeuten. Wenn uns China seine Produkte billig anbietet, sollten wir dieses Geschenk annehmen. Das erfordert freilich eine kluge Wirtschaftspolitik, die unseren Standort so agil aufstellt, dass er dem dafür notwendigen Strukturwandel gewachsen ist. Dabei gilt es zu bedenken: Jeder Yuan, den China in die Förderung bestimmter Industrien steckt, fehlt dem Land an anderer Stelle. Auch in China sind die Ressourcen endlich. Das eröffnet uns Chancen. (...)

 

NZZ: Heisst das, Sie lehnen Schutzzölle gegen China ab?

 

SK: Wenn wir in protektionistische Abwehrreflexe ausweichen, öffnen wir das Tor für Partikularinteressen, die vor unliebsamer Konkurrenz aus dem Ausland geschützt werden wollen. Noch schädlicher als Zölle wäre eine Industriepolitik, die deutsche Unternehmen subventioniert. Dann nehmen die globalen Überkapazitäten weiter zu. Wir müssen aufpassen, dass wir bei dem Versuch, unsere Wirtschaft vor der Konkurrenz aus China zu schützen, nicht immer chinesischer, also interventionistischer, werden. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Stefan Kooths
    Forschungsdirektor

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