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Japan könnte Blaupause für Deutschland werden

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... Da hatte der IWF gerade Japans Regierung im Rahmen der sogenannten Artikel-IV-Konsultationen im April 2026 ein uneingeschränktes Lob ausgesprochen. Er erklärte drei Jahrzehnte von Deflation und Stagnation für überwunden, würdigte die Resilienz der Wirtschaft gegenüber globalen Schocks und hob vor allem die Fiskalpolitik als die Erwartungen übertreffend hervor. Und nun sehen sich Japan und die USA ein Vierteljahr später gehalten, erstmalig seit 1998 den Yen durch eine gemeinsame Intervention am Währungsmarkt vor einer weiteren Abwertung zu schützen und sich damit dem abwertungsbedingten Inflationsimpuls gegen die Deflation in den Weg zu stellen. (...) Dieser Zielkonflikt zwischen Deflationsbekämpfung und Wechselkursstabilität kommt für Japan zur Unzeit, befindet sich das Land mit seiner Wirtschaftspolitik doch tatsächlich in einer Aufwärtsphase.

 

(...) Auf Nettobasis betrug die Verschuldungsrate nur 140 Prozent im Jahre 2024. Japan war auch das einzige Land unter den G-7 Ländern, das zwischen 2019 und 2024 seine Nettoverschuldungsrate reduzieren konnte.

 

Diese erfreuliche Momentaufnahme konnte jedoch eine weitere Zwickmühle nicht kaschieren, in der sich Japan gerade dank seiner sehr hohen Auslandserträge befindet. Dabei handelt es sich vor allem um Einkünfte aus Portfolioinvestitionen, aber auch aus Direktinvestitionen. Die Leistungsbilanz ist klar positiv und weist auf die immer stärkere Bedeutung des Unterschieds zwischen dem Wachstum des japanischen Inlandsprodukts und seines Inländerprodukts hin. Im letzteren sind diese Einkommen enthalten. Sie können entweder im Gastland reinvestiert oder nach Japan repatriiert werden. Ein wachsender Teil wird reinvestiert. (...) Sie fehlen also bei Investitionen in Japan, vermeiden aber den Nachteil, dass die Repatriierung und damit die Umwandlung in Yen zu einer Aufwertung des Yens führen und damit den gewünschten Preisimpuls weg von der Deflation schwächen würde. Die damit unterbliebene Aufwertung hat auch einen weiteren Vorteil. Sie begünstigt japanische Schuldner, weil sie den Schuldendienst erleichtert, (...)

 

Die Alterung Japans wird die Verpflichtungen des Staates gegenüber seinen Bürgern durch Sozialausgaben in heimischer Währung steigen lassen. Dem stehen Einkünfte in ausländischen Währungen gemessen in Yen gegenüber, (...) Japans Entwicklung ist auch eine Blaupause für Deutschlands Entwicklung. Der IWF projiziert für Deutschland ein stetiges Absinken des Handelsbilanzüberschusses von 5,2 Prozent des BIP im Jahre 2021 auf 1,6 Prozent im Jahre 2031. Aus dem früheren Exportweltmeister wird also wie im Falle Japans langsam ein Land, dessen zukünftiges Wachstum von der Binnennachfrage bestimmt wird. (...)

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Rolf J. Langhammer
    Kiel Institute Researcher

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