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Immobilienmarkt
Nicht nur die gestiegenen Preise machen den Hauskauf für viele Menschen unerreichbar. Es dauert auch immer länger, das Geld für Grunderwerbsteuer und Notarkosten zu sparen.
Wer eine Immobilie kaufen will, muss zwischen vier und knapp 28 Jahre lang sparen. So lange brauchen die meisten Menschen hierzulande, um das für den Erwerb notwendige Eigenkapital aufzubringen: einen kleinen Teil des Kaufpreises, das Geld für die Grunderwerbsteuer und den Notar. So viel sollte auf dem Konto bereits vorhanden sein, bevor man die Bank überhaupt nach einem Kredit für den Rest fragt. (...)
Eine neue Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt nun: Allein für die Grunderwerbsteuer muss man je nach Landkreis sechs Monate bis knapp drei Jahre sparen. Weitere zwei bis sieben Monate kommen hinzu, bis man das Geld für die gesetzlich festgelegten Notargebühren zusammenhat.
»Ein Teil der Hürde beim Eigentumserwerb entsteht nicht nur durch hohe Preise, sondern auch durch politisch gesetzte Erwerbsnebenkosten«, sagt Jonas Zdrzalek, Wissenschaftler am Kiel Institut und Teil des Teams hinter dem German Real Estate Index (Greix), das die Daten für die ZEIT ausgewertet hat. Sein Fazit: »Gerade für Haushalte ohne vorhandenes Vermögen ist das besonders relevant, weil diese Kosten sofort beim Kauf anfallen.«
Jetzt liegen detaillierte Informationen für alle Regionen vor. Sie offenbaren riesige Unterschiede. Wer nicht schon eine größere Summe besitzt und im Landkreis Starnberg ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, sollte sich auf eine Sparzeit von knapp 28 Jahren einstellen. Das liegt natürlich maßgeblich am hohen Preisniveau der malerischen Seenlandschaft nahe München. Im nordthüringischen Kyffhäuserkreis ist man nach nicht einmal vier Jahren so weit. In dieser Rechnung ist alles enthalten: der nicht finanzierte Teil des Kaufpreises, die Steuern und der Notar. (...)
»Unsere Analyse zeigt sehr anschaulich, dass diese Unterschiede das regionale Bild stark verändern«, sagt der Wissenschaftler Zdrzalek. »Bei der gesamten Sparhürde stehen vor allem sehr teure Regionen wie München und das Umland vorne. Bei den Erwerbsnebenkosten rücken dann eher Städte wie Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf nach oben. Es gibt also nicht nur Preisunterschiede, sondern zusätzlich eine eigene regionale Ungleichheit bei den Nebenkosten.« (...)