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Wirtschaftspolitischer Beitrag

Endgame Russlands Wirtschaft unter Druck

Kiel Report, 9

Autoren

  • Becker
  • T.
  • Egorov
  • K.
  • Garcia-Herrero
  • A.
  • Klein
  • M.
  • Korhonen
  • I.
  • Ribakova
  • E.
  • Risinger
  • L. Schularick
  • M.

Erscheinungsdatum

Schlagworte

Russland Wirtschaft

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Vier Jahre nach Beginn der Vollinvasion der Ukraine zeichnet sich die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Kollaps Russlands immer deutlicher ab. Bisher ist die russische Wirtschaft nicht zusammengebrochen, aber ihre Grundlagen erodieren schneller, als die offiziellen Statistiken erkennen lassen. Die Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2026 um 0,3%, obwohl die Staatsausgaben im März 2026 im Jahresvergleich um 44% stiegen.

 

Die Wachstumsprognose der Regierung für 2026 wurde auf 0,4% zusammengestrichen, und selbst diese Zahl könnte sich angesichts vermehrter Anzeichen von Arbeitskräftemangel und Lieferengpässen als zu optimistisch erweisen. Es bestehen ernsthafte Zweifel an der Genauigkeit der offiziellen Wachstumszahlen. Sollte die Inflation, wie vielfach vermutet, zu niedrig ausgewiesen sein, wäre das reale Wirtschaftswachstum noch niedriger. Die zivilen und die militärischen Teile der russischen Wirtschaft sind zunehmend entkoppelt: Die Rüstungsindustrie wächst auf Kosten eines stagnierenden zivilen Sektors, bei nahezu zum Erliegen gekommenen Anlageinvestitionen außerhalb militärischer Prioritäten und einem Außenhandelsvolumen auf dem niedrigsten Stand seit fünfzehn Jahren. Auch dies führt dazu, dass die offiziellen Zahlen den Zustand der produktiven Wirtschaft erheblich überbewerten. Das Gesamtbild ist das einer Wirtschaft, die an die Grenzen ihrer Produktionskapazität stößt. Gleichzeitig wachsen die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems: Die rasche Kreditexpansion in rüstungsrelevanten Sektoren, schwache Unternehmensbilanzen und der wachsende Druck auf das Bankenkapital führen zu einer Verschlechterung der Vermögensqualität im Finanzsystem.

 

Die Beiträge in diesem Band, verfasst von führenden Ökonominnen und Ökonomen mit fundierter Kenntnis der russischen Wirtschaft, zeichnen ein klares Bild: Russlands fiskalische und finanzielle Reserven sind weitgehend aufgebraucht; die asymmetrische Abhängigkeit von China vertieft sich zu Bedingungen, die bereits heute erhebliche Kosten verursachen und künftig noch größere nach sich ziehen dürften; und die Exporteinnahmen bleiben die mit Abstand wichtigste Variable dafür, wie lange der Kreml seinen Angriffskrieg weiterführen kann. All diese Beobachtungen beschreiben die Wirtschaft Russlands im Endstadium- und damit eine günstige Gelegenheit für den Westen, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Europa muss die richtigen Instrumente einsetzen, um durch wirtschaftlichen Druck nachhaltig das strategische Kalkül Russlands zu beeinflussen.

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Dr. Moritz Schularick
    Präsident

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