Ukraine Support Tracker: Militärhilfe bleibt stabil, Fokus verlagert sich auf Drohnen
Die militärische Unterstützung für die Ukraine blieb in den europäischen Staaten auf einem hohen Niveau und wurde insbesondere bei der Zuweisung von Drohnen ausgeweitet. Im Gegensatz dazu verlangsamte sich die Zuweisung finanzieller und humanitärer Hilfe in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 deutlich – hauptsächlich aufgrund verzögerter EU-Finanzmittel. Die neuen Daten des Ukraine Support Trackers, die die Hilfszuweisungen bis einschließlich April 2026 erfassen, zeigen somit eine zunehmende Kluft zwischen militärischer und nichtmilitärischer Hilfe.
Im März und April 2026 stellte Deutschland Militärhilfe in Höhe von 4,2 Milliarden Euro bereit, vor allem für Luftabwehr und Drohnen. Das Vereinigte Königreich stellte 1,3 Milliarden Euro bereit, Norwegen weitere 600 Millionen Euro. Gleichzeitig ging die finanzielle Unterstützung im gleichen Zeitraum stark zurück, was hauptsächlich auf den Wegfall von EU-Mitteln zurückzuführen war. Das größte Finanzhilfepaket kam nicht aus Europa, sondern aus Japan. Die japanische Zuweisung in Höhe von 1,1 Milliarden Euro ist gedeckt durch Erlöse aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten im Rahmen der zweiten Tranche des ERA-Kreditmechanismus.
Die neuen Daten zeigen eine zunehmende Divergenz zwischen militärischer und nichtmilitärischer Unterstützung. Die militärischen Zuweisungen Europas beliefen sich zwischen Januar und April 2026 inflationsbereinigt auf 2 Milliarden Euro pro Monat und lagen damit weiterhin unter dem Niveau von 2025 von 2,4 Milliarden Euro pro Monat, aber deutlich über den Werten der Jahre 2022–2024. Die finanzielle und humanitäre Hilfe ist dagegen stark zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum wies Europa inflationsbereinigt durchschnittlich 500 Millionen Euro pro Monat zu, was weniger als einem Fünftel des Durchschnitts von 2025 entspricht.
„Europa hat die verstärkte militärische Unterstützung für die Ukraine im Jahr 2026 aufrechterhalten“, sagt Christoph Trebesch, Leiter des Ukraine Support Trackers. „Gleichzeitig sind die Zuweisungen für finanzielle und humanitäre Hilfen eingebrochen – vor allem, weil das EU-Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro monatelang blockiert war, bevor es im April offiziell genehmigt wurde. Die entscheidende Frage lautet nun, wie schnell konkrete Hilfszuweisungen auf die europäischen Zusagen folgen.“
Drohnen rücken in den Mittelpunkt der Militärhilfe
Besonders auffällig war im März und April 2026 der starke Anstieg der Mittelzuweisungen für Drohnen. Das Vereinigte Königreich stellte mindestens 120.000 Drohnen bereit – die größte Drohnenzuweisung, die jemals im Rahmen einer einzelnen Zuweisung angekündigt wurde. Deutschland und Norwegen stellten jeweils 500 Millionen Euro für die Anschaffung von Drohnen bereit, während die Niederlande 250 Millionen Euro zuwiesen.
Die Bedeutung von Drohnen in der europäischen Militärhilfe hat innerhalb weniger Jahre erheblich zugenommen. Real stieg die für Drohnen zugewiesene bestätigte bilaterale Militärhilfe von 400 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 1 Milliarde Euro im Jahr 2024 und 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2025, bevor sie allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 auf rund 1,6 Milliarden Euro anstieg. Diese Zahlen umfassen nur Mittel, die eindeutig europäischen Gebern zugeordnet werden können. Das tatsächliche Volumen dürfte daher noch höher sein.
Großspender wie Deutschland und die Niederlande weisen zunehmend gemeinsam mit ukrainischen Rüstungsunternehmen Drohnen zu, wodurch sie die Ukraine stärken und gleichzeitig Innovationen in Europa fördern.
„Europäische Geldgeber investieren gegenwärtig in großem Umfang in die Finanzierung und Produktion von Drohnen“, sagt Trebesch. „Infolgedessen entwickelt sich die Unterstützung für die Ukraine zunehmend zu einem gegenseitigen Austausch: Finanzielle Hilfe fließt in die Ukraine, während technologische Spillover-Effekte nach Europa zurückfließen.“
Über den Ukraine Support Tracker
Der Ukraine Support Tracker erfasst und quantifiziert militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen, die der Ukraine seit dem 24. Januar 2022 zugesagt wurden. Berücksichtigt sind 41 Länder, spezifisch die EU-Staaten, die weiteren Mitglieder der G7, Australien, Südkorea, Türkei, Norwegen, Neuseeland, die Schweiz, die Türkei, China, Taiwan, Indien und Island. Erfasst sind Zusagen, die Regierungen dieser Länder der ukrainischen Regierung gemacht haben; Hilfszusagen der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank sind separat aufgeführt; private Spenden oder solche internationaler Organisationen wie des IWF sind in der Hauptdatenbank nicht enthalten. Ebenso nicht mitgezählt sind Hilfen an Nachbarländer der Ukraine wie Moldawien oder andere Länder – etwa für die Aufnahme von Geflüchteten.
Datenquellen sind Bekanntgaben offizieller Regierungsstellen und Berichte internationaler Medien. In Sachmitteln geleistete Hilfe wie zum Beispiel Medizingüter, Lebensmittel oder militärisches Gerät werden anhand von Marktpreisen oder Angaben aus früheren Hilfskampagnen geschätzt. In Zweifelsfällen werden die höheren verfügbaren Werte angesetzt.
Der Ukraine Support Tracker wird laufend erweitert, korrigiert und verbessert. Anregungen dazu sind sehr willkommen und können gerne an ukrainetracker@ifw-kiel.de geschickt werden.
Mehr Informationen und alle Detaildaten finden Sie auf der Webseite des Ukraine Support Trackers