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15.01.2025

Statement

Deutsche Wirtschaft steckt fest

Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2024 des Statistischen Bundesamtes, wonach dieses um 0,2 Prozent gesunken ist:

„Die deutsche Wirtschaft steckt in der Stagnation fest. Im Jahr 2024 war das Bruttoinlandsprodukt kaum höher als im Jahr 2019, und die Aussichten für das Jahr 2025 sind trist. Im laufenden Jahr wird die deutsche Wirtschaft wohl kaum mehr als stagnieren. Unternehmen und private Haushalte blicken pessimistisch in die Zukunft. Mit den drohenden Zöllen in den USA hängt bereits das nächste Damoklesschwert über dem ohnehin schwächelnden Exportgeschäft. Seitens der Wirtschaftspolitik ist nicht mit viel Rückenwind zu rechnen: Positive wirtschaftliche Impulse einer neuen Bundesregierung würden wohl frühestens im Jahr 2026 voll zum Tragen kommen. Signale für eine deutliche konjunkturelle Belebung sind derzeit kaum auszumachen.

Im Verlauf des Jahres 2024 hat sich zunehmend gezeigt, dass die schwache wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands vor allem hausgemacht ist. Die deutsche Wirtschaft hat sich weitgehend von der Weltwirtschaft abgekoppelt. Im Jahr 2024 war Deutschland eines der wenigen Länder, in denen das Bruttoinlandsprodukt zurückgegangen ist. Im übrigen Euroraum dürfte das Bruttoinlandsprodukt um rund 1 Prozent gestiegen sein, in den USA wohl sogar um fast 3 Prozent. Noch schlechter sieht es im längerfristigen Vergleich aus: Während das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in den vergangenen 5 Jahren stagnierte, ist es im übrigen Euroraum im gleichen Zeitraum um rund 6 Prozent gestiegen, in den USA sogar um rund 12 Prozent. Auch die rückläufigen Exporte bei gleichzeitig deutlich aufwärtsgerichtetem Welthandel deuten auf strukturelle Probleme hin.

Maßgeblich für den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2024 waren die schwachen Investitionen und Exporte. Im Jahr 2025 dürften sich die Investitionen aufgrund der weniger restriktiven Geldpolitik zumindest wieder auf niedrigem Niveau fangen. Den Exporten droht ein weiterer Rückgang, da sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlechtert hat und die protektionistischen Tendenzen weltweit zunehmen. Größere Zuwächse beim privaten Konsum zeichnen sich derzeit nicht ab, da die Zeiten kräftiger Reallohnzuwächse wohl vorbei sind. Eine etwas höhere Dynamik wäre hier nur zu erwarten, wenn die Unsicherheit der Verbraucher abnimmt und sie ihre Sparquote wieder deutlich reduzieren.“

Fachlicher Kontakt

  • Dr. Nils Jannsen
    Kiel Institute Researcher

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  • Elisabeth Radke
    Head of Outreach

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    Kiel Institute Researcher

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  • Mathias Rauck
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