Industrie in 2025 erneut im Minus
Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Industrieproduktion, wonach diese im November um 2,1 Prozent gestiegen ist:
„Die Industrieproduktion hat sich wieder gefangen. Die Produktion ist im November trotz Materialengpässen infolge der Chipkrise deutlich gestiegen. Zuletzt hat sich die Industrieproduktion somit bei temporären Ausschlägen in der Tendenz seitwärts bewegt. Trotz der jüngsten Stabilisierung hat die Strukturkrise die Industrie weiter fest im Griff. Im Jahr 2025 ist die Industrieproduktion um rund 1 Prozent gesunken, der vierte Rückgang in Folge. In den vergangenen sieben Jahren ist die industrielle Fertigung lediglich im Jahr 2021 gestiegen, als sich die Produktion vom pandemiebedingten Einbruch teilweise erholte. Insgesamt war die Industrieproduktion im Jahr 2025 rund 14 Prozent niedriger als im Jahr 2018. Besonders gravierend mit mehr als 20 Prozent sind die Produktionsrückgänge in der Automobilbranche. Aber auch im Maschinenbau, der Metallerzeugung und den energieintensiven Branchen kam es zu massiven Einbußen. In diesen Branchen ging die Produktion auch im Jahr 2025 überproportional stark zurück.
Zuletzt haben sich die Zeichen gemehrt, dass die Industrieproduktion ihren seit sieben Jahren anhaltenden Abwärtstrend im laufenden Jahr verlassen wird. So ist es jüngst vermehrt zu Großaufträgen gekommen, die vor allem auf militärische Beschaffungen zurückzuführen sein dürften. Abgesehen von den Großaufträgen haben sich die Auftragseingänge im Verlauf des vergangenen Jahres im Großen und Ganzen stabilisiert mit zuletzt positiver Tendenz.
Die Erholungsspielräume für die Industrie sind trotz des niedrigen Produktionsniveaus jedoch begrenzt. Die niedrige Kapazitätsauslastung dürfte im Wesentlichen strukturellen Problemen geschuldet und weniger konjunkturell bedingt sein. Ablesbar ist dies an dem Verlust von Weltmarktanteilen und Wettbewerbsfähigkeit. Ohne eine spürbare Verbesserung der Standortbedingungen dürfte die niedrige Kapazitätsauslastung vor allem Vorbote eines weiteren Abbaus von Produktionskapazitäten sein. Die Industrieunternehmen haben bereits die Beschäftigung deutlich abgebaut – allein im Jahr 2025 um rund 2 Prozent – und halten sich mit Investitionen zurück. Selbst wenn weitere Produktionsrückgänge vermieden werden können, bleibt die Industrie in der Krise.“