"Deutschlands wirtschaftliche Probleme sind hausgemacht"
Dr. Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut, kommentiert die aktuellen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2025 des Statistischen Bundesamtes, wonach dieses um 0,2 Prozent gestiegen ist:
„Die deutsche Wirtschaft bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Im Jahr 2025 hat sich das Bruttoinlandsprodukt nach zwei Rückgängen in Folge zwar stabilisiert. Mit dem mageren Plus liegt es jedoch lediglich auf dem Niveau des Jahres 2019. Eine Phase von sechs Jahren ohne steigendes Bruttoinlandsprodukt ist einmalig in der Bundesrepublik Deutschland. Selbst in Krisenjahren wie zur Finanzkrise oder der Pandemie lag die Wirtschaftsleistung über ihrem Niveau sechs Jahre zuvor.
International hinkt die deutsche Wirtschaft damit weiter hinterher. Im übrigen Euroraum dürfte das Bruttoinlandsprodukt um rund 2 Prozent gestiegen sein. Auch in den meisten anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften legte es deutlich stärker zu. Noch schlechter sieht es im mehrjährigen Vergleich aus. Seit dem Jahr 2019 stieg das Bruttoinlandsprodukt im übrigen Euroraum um mehr als 8 Prozent; in den Vereinigten Staaten nahm es sogar noch stärker zu. Ein deutliches Zeichen dafür, dass die wirtschaftlichen Probleme größtenteils hausgemacht sind.
Ab diesem Jahr wird die expansive Finanzpolitik Impulse liefern, im laufenden Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 1 Prozent steigen. Neben der expansiven Finanzpolitik trägt dazu auch die zusätzliche Zahl an Arbeitstagen mit einem ¼ Prozentpunkt bei. Die angesichts des demographischen Wandels und struktureller Probleme schwachen Wachstumsaussichten bessern sich dadurch aber kaum. Vielmehr wird die expansive Finanzpolitik die schlechten Standortbedingungen nur für einige Zeit kaschieren. Mit besseren Standortbedingungen würde sich nicht nur das Wachstumspotenzial langfristig erhöhen, sondern ließen sich auch die mit der expansiven Finanzpolitik verbundenen Ziele effektiver erreichen.“