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16.09.2026

Statement

Einmal erhöhen, dann abwarten – die Fed sollte dem Ölpreis nicht hinterherlaufen

Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in den USA, den Leitzins voraussichtlich um 25 Basispunkte anzuheben:

„Die Fed sollte den Leitzins am Mittwoch um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent anheben – und es sollte vorerst der einzige Schritt bleiben. Höhere Zinsen senken den Ölpreis nicht. Im siebten Monat des Energiepreisschocks geht es um etwas anderes: um die Zweitrundeneffekte und um erhöhte Inflationserwartungen, gegen die die Geldpolitik sehr wohl etwas ausrichten kann.

Maßgeblich ist der Preisindex der privaten Konsumausgaben (PCE), der sämtliche Konsumausgaben der Haushalte laufend nach deren tatsächlichem Kaufverhalten gewichtet. Auf diese Rate und nicht auf den bekannteren Verbraucherpreisindex bezieht die Fed ihr 2-Prozent-Ziel. Im Juli lag diese Rate jedoch bei 3,7 Prozent, ohne Energie und Nahrungsmittel bei 3,3 Prozent. Zwar liegt die Gesamtrate wegen der Energiepreise über der Kernrate. Dass auch die Kernrate so hoch ist, zeigt jedoch, dass der Schock nicht mehr nur die Energiepreise trifft. Zugleich ist die Geldpolitik bei einem realen Leitzins von gut 0,3 Prozent am kurzen Ende nicht restriktiv, und die Inflationserwartungen der Haushalte liegen laut der Survey of Consumer Expectations der New York Fed seit Monaten deutlich über dem Inflationsziel bei 3,0 bis 3,6 Prozent.

Der Abstand zwischen normalen und inflationsgeschützten US-Anleihen zeigt, dass Anleger für die kommenden zehn Jahre nur 2,36 Prozent Inflation erwarten. Anders als die Haushalte rechnen die Finanzmärkte also unverändert damit, dass die Fed ihr Ziel erreicht. Gleichzeitig lag der Beschäftigungsaufbau im Zwölfmonatsschnitt zuletzt bei nur 31.000 Stellen pro Monat, und die EIA erwartet für 2027 wieder deutlich niedrigere Ölpreise. In diesem Szenario würde der Preisschub also von selbst im kommenden Jahr auslaufen, während eine Serie an Zinserhöhungen die Konjunktur zusätzlich belasten würde. Um dennoch dem sich verbreitenden Preisdruck sowie den hohen Inflationserwartungen der Haushalte entgegenzuwirken, ist ein Zinsschritt angemessen. Sollte der Energiepreisschock länger anhalten, müsste die Fed die Situation neu beurteilen. Die geldpolitischen Instrumente Forward Guidance und Dot Plot hat Kevin Warsh abgeschafft; die Erwartungssteuerung liegt damit ganz bei der Pressekonferenz. Dort sollte er klarmachen: Die Fed verteidigt ihr Inflationsziel gegen Zweitrundeneffekte – sie jagt nicht dem Ölpreis hinterher.“

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