So viel Geld wie nie für Verteidigung – jetzt zählt smarte Beschaffung
Europa steht vor einer beispiellosen Phase steigender Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung. Die NATO-Staaten wollen ihre Verteidigungsbudgets bis 2035 auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöhen. Für die europäischen NATO-Mitglieder entspräche das zusätzlichen Sicherheitsausgaben von bis zu 831 Milliarden Euro jährlich. Dieser historische Kraftakt bietet die Chance, Europas militärische Fähigkeiten grundlegend zu stärken und die Rüstungsindustrie neu aufzustellen. Doch ohne durchdachte Beschaffung drohen veraltete Systeme, explodierende Kosten und am Ende nur begrenzte Fortschritte bei den Fähigkeiten.
Der aktuelle Kiel Report „Effizienz in der Verteidigungsbeschaffung: Best Practices für Europas Sicherheit“ von Rodrigo Carril, Kiel Institute Fellow; Universitat Pompeu Fabra, zeigt auf, wie sich Verteidigungsbeschaffung wirksamer und effizienter gestalten lässt. Carril stellt den Report heute gemeinsam mit Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, bei einem Pressegespräch auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) vor.
„Der Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten in Europa ist historisch – doch mehr Geld allein schafft noch keine größere Schlagkraft“, sagt Carril. „Entscheidend ist, wie die Mittel eingesetzt werden. Eine kluge Ausgestaltung der Beschaffung wird darüber entscheiden, ob diese Investitionen Europas Sicherheit tatsächlich stärken.“
Zu den zentralen Empfehlungen des Berichts zählen:
- Produktionskapazitäten in Krisenzeiten schnell hochfahren
Europa muss im Ernstfall in der Lage sein, die Produktion zügig auszuweiten. Dafür sollten Produktionskapazitäten frühzeitig vertraglich gesichert, Stückkosten und Bauzeiten durch skalierbare Fertigung gesenkt und kritische Lieferketten auf allen Ebenen abgesichert werden. - Innovation gezielt fördern
Innovation sollte im Zentrum der europäischen Verteidigungsstrategie stehen. Nötig sind flexible Organisationsstrukturen, größere Handlungsspielräume für eigenständige Einheiten sowie mehrstufige Forschungs- und Entwicklungswettbewerbe, die privates Kapital mobilisieren und technologische Durchbrüche belohnen. - Beschaffung stärker europäisch bündeln
Ein integrierter europäischer Markt für Verteidigungsbeschaffung würde Größenvorteile schaffen, die Verhandlungsposition stärken, Markteintritte erleichtern und den Wettbewerb fördern. Zugleich ließe sich die Interoperabilität der Systeme verbessern.
„Angesichts der Dimension der europäischen Aufrüstung ist Effizienz keine Nebensache, sondern strategisch entscheidend“, ergänzt Schularick. „Am Ende zählt, ob die militärischen Fähigkeiten tatsächlich wachsen – nicht allein die Höhe der Ausgaben.“
Pressegespräch auf der Munich Security Conference 2026: Europe is spending more on defence than ever before. Time to spend it smart.
- 13. Februar, 12:00–12:30 Uhr (CET)
- House of Communications (HoC), Press Briefing Room 1, Hotel Bayerischer Hof, München
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Fachlicher Kontakt
Rodrigo Carril
Kiel Institute Fellow and Universitat Pompeu Fabra
rodrigo.carril@upf.edu