Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

27.01.2026

News

Handelsabkommen EU - Indien könnte bilateralen Handel um bis zu 65 Prozent steigern

Die Europäische Union und Indien stehen kurz vor dem Abschluss eines lange verhandelten Freihandelsabkommens, das zwei Wirtschaftsräume verbinden würde, die zusammen 21,1 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und 23,4 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren. Eine neue Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft zeigt: Eine vertiefte wirtschaftliche Integration könnte den bilateralen Handel um 41 bis 65 Prozent steigern, die realen Einkommen beider Seiten um 0,12–0,13 Prozent des BIP erhöhen und Abhängigkeiten mit risikoreicheren Märkten verringern – gerade in einer Phase zunehmender globaler Handelskonflikte.

Der Warenhandel zwischen der EU und Indien ist in den vergangenen zehn Jahren um fast 90 Prozent gewachsen. Allein 2024 exportierte die EU Waren im Wert von 48,8 Milliarden Euro nach Indien. Dennoch bleibt der Marktzugang für europäische Unternehmen stark eingeschränkt: Indische Zölle liegen in einigen Sektoren bei bis zu 150 Prozent, obwohl bereits rund 6.000 europäische Unternehmen in Indien tätig sind.

„Indien ist ein dynamischer Wachstumsmarkt, aber gleichzeitig stark abgeschottet“, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut für Weltwirtschaft. „Ein umfassendes EU-Indien-Freihandelsabkommen würde große Teile der Wirtschaft öffnen, Lieferketten stärken und geopolitische Risiken reduzieren.“

Modellsimulationen zeigen, dass ein umfassendes Abkommen Indiens Exporte in die EU um 41 Prozent und die EU-Exporte nach Indien um 65 Prozent steigern könnten. Die daraus resultierenden Einkommensgewinne – rund 22 Milliarden Euro jährlich für die EU und 4,2 Milliarden Dollar für Indien – konzentrieren sich hauptsächlich auf exportorientierte Sektoren wie IT-Dienstleistungen, Textilien, Chemie, Maschinenbau und Nahrungsmittelverarbeitung.

Der Zeitpunkt ist entscheidend. Indien ist derzeit mit US-Zöllen von bis zu 50 Prozent konfrontiert, die 2025 schrittweise eingeführt wurden. Diese Maßnahmen haben die Handelsvolumina deutlich reduziert, und wirtschaftlichen Schaden angerichtet. - "Vor diesem Hintergrund wirkt ein EU-Indien-Abkommen stabilisierend“, sagt Vasundhara Thakur, Ökonomin am Kiel Institut. „Es ist eine Art Versicherung gegen die zunehmende globale Handelsunsicherheit und ein klares Signal für regelbasierte Kooperation.“

Jetzt Kiel Policy Brief lesen:

Fachlicher Kontakt

Medienkontakt

Mehr Medieninformationen

  • News

    04.06.2026

    man with a UAV control panel in his hands, a drone flying above the tank in the background in nature

    Ukraine Support Tracker: Militärhilfe bleibt stabil, Fokus verlagert sich auf Drohnen

    Die militärische Unterstützung für die Ukraine blieb in den europäischen Staaten auf einem hohen Niveau und wurde insbesondere bei der Zuweisung von…

  • News

    01.06.2026

    China und Geoökonomie: DFG fördert neues Graduiertenkolleg Göttingen-Kiel

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Einrichtung des neuen Graduiertenkollegs (GRK) „China-GRASP: China’s Geoeconomic Rise and the…

  • News

    29.05.2026

    Weltwirtschaftlicher Preis 2026 geht an Sabine Weyand und Martin Wolf

    Die für den Weltwirtschaftlichen Preis 2026 ausgewählten Persönlichkeiten stehen fest. Der Preis geht in diesem Jahr an Martin Wolf und Sabine Weyand.…