Fed muss dem Druck auf ihre Unabhängigkeit standhalten
Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut, kommentiert die erwartete Entscheidung der Federal Reserve in den USA, den Leitzins konstant zu halten:
„Die Geldpolitik in den USA befindet sich an einem Scheidepunkt, und die Fed muss nun alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre institutionelle Unabhängigkeit von der Regierung zu verteidigen. Anfang Januar erreichte der seit Monaten anhaltende politische Druck auf die Fed einen neuen Höhepunkt, als bekannt wurde, dass das Justizministerium Ermittlungen gegen Fed Chairman Jerome Powell aufgenommen hat, angeblich wegen Unstimmigkeiten in Bezug auf die Renovierungskosten des Hauptsitzes der Zentralbank. Jerome Powell wehrte sich daraufhin mit einer vielbeachteten Videobotschaft, die diese Anklage als politischen Einschüchterungsversuch darstellt mit dem Ziel, Zinssenkungen der Fed zu erreichen. Vor diesem Hintergrund werden die Märkte besonders darauf achten, ob die Fed in der Lage ist, geldpolitische Entscheidungen auf Basis ihres Mandats und der ökonomischen Daten zu treffen.
Die Daten zeigen, dass ein konstanter Zins aktuell die richtige Entscheidung ist: Die Inflationsrate in den USA liegt persistent oberhalb des Inflationsziels von 2 Prozent. Zusätzlich besteht ein hohes Risiko, dass die Inflationsrate 2026 weiter ansteigen könnte – weil Zollkosten für Importe noch nicht komplett auf die Endpreise umgelegt wurden oder weil Arbeitskosten in Dienstleistungssektoren aufgrund der zurückgegangenen Immigration und der Deportationen von Immigranten ansteigen. Dies würde auch bedeuten, dass der Arbeitsmarkt weniger belastet ist, als der leichte Rückgang von Jobzuwachsraten zuletzt vermuten ließ.
Damit die Fed in diesem turbulenten Umfeld ihre Aufgabe gut meistern kann, muss sie nicht nur dem politischen Druck von außen widerstehen. Für eine hohe Glaubwürdigkeit ihrer Geldpolitik braucht es auch einen möglichst breiten Konsens innerhalb des Federal Open Market Committee (FOMC), dem geldpolitischen Entscheidungsgremium der Fed. Die letzten geldpolitischen Entscheidungen waren von immer höherem Dissens gekennzeichnet. Die politische Dimension scheint also bereits eine Rolle in der Diskussion des FOMC zu spielen. Umso wichtiger erscheint es, in den letzten Monaten der Amtszeit von Jerome Powell eine möglichst hohe Einigkeit innerhalb des FOMCs herzustellen und sich gleichzeitig in der geldpolitischen Entscheidung stark auf die wirtschaftlichen Daten zur US-Wirtschaft zu stützen.“