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05.06.2025

Statement

EZB-Zinssenkung gut begründbar

Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut, kommentiert die erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins heute um 25 Basispunkte auf 2 Prozent zu senken:

„Die siebte Zinssenkung in Folge stellt eine Fortsetzung des geldpolitischen Kurses der EZB von einer restriktiven zu einer neutralen Geldpolitik dar. Angesichts der weiterhin verhaltenen Wachstumsdynamik in der Eurozone und einer Inflationsrate, die zuletzt wieder moderat gefallen ist, ist ein solcher Schritt gut begründbar. Bei anhaltend hoher wirtschaftlicher Unsicherheit erhält sich die EZB bei einem Zinsniveau von 2 Prozent zudem die Option, den Zins in beide Richtungen anpassen zu können.

Im Mai 2025 lag die Inflationsrate im Euroraum bei 1,9 Prozent und damit etwas unter dem Zielwert der EZB von 2 Prozent, nachdem sie zu Jahresbeginn noch bei 2,5 Prozent gelegen hatte. Die Kerninflation ist ebenfalls rückläufig, was die Einschätzung stärkt, dass der Inflationsdruck nachlässt. Die erratische Zollpolitik der US-Regierung hat zu einem Aufwerten des Euro und einem Rückgang der Ölpreise geführt. Beides hat dazu beigetragen, dass der Rückgang der Inflationsrate in der Eurozone etwas stärker als erwartet ausgefallen ist.

Große Unsicherheit besteht derzeit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone. Einerseits hat sich die europäische Wirtschaft im ersten Quartal 2025 robuster gezeigt als erwartet, und insbesondere die angekündigten deutschen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung wecken Hoffnungen auf zukünftige Nachfragesteigerungen und damit eine wirtschaftliche Erholung. Andererseits stagniert die Wirtschaft aktuell weiterhin, und gerade die exportorientierten Sektoren leiden unter dem anhaltenden Zollchaos in den USA.

Die kommenden Monate werden deutlicher zeigen, ob sich die Wirtschaft in der Eurozone in eine eher positive oder eher negative Richtung entwickelt. Mit der aktuellen Zinsentscheidung behält die EZB die Instrumente, mit einer Zinsanpassung entsprechend reagieren zu können.“

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