Pierre-Olivier Gourinchas erhält Bernhard-Harms-Preis 2026
Das Kiel Institut ehrt den international führenden Ökonomen Pierre-Olivier Gourinchas, ehemaliger Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), für seine bahnbrechende Forschung zu globalen Ungleichgewichten, internationalen Kapitalströmen und dem internationalen Währungssystem. Gourinchas, Professor für Volkswirtschaftslehre an der University of California, Berkeley, erhält den Bernhard-Harms-Preis 2026 für Forschung, die unser Verständnis von globaler Anpassung und finanzieller Stabilität grundlegend verändert hat. Seine Arbeiten sind angesichts der erneuten Debatten über Handelsungleichgewichte, die US-Fiskalpolitik, finanzielle Fragmentierung und die Zukunft des Dollars von besonderer Aktualität.
„Pierre-Olivier Gourinchas hat uns gezeigt, dass wir für das Verständnis der Weltwirtschaft über die Handelsbilanzen hinausblicken und die Auslandsvermögen und -verbindlichkeiten der Länder mit einbeziehen müssen“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. „Seine Arbeiten zu internationalen Vermögensbilanzen, Bewertungseffekten und Kapitalströmen haben die Sichtweise der Wirtschaftswissenschaft auf globale Anpassungsprozesse und Finanzkrisen verändert. Und seine Erkenntnisse zur besonderen Rolle des US-Dollars sind hochaktuell, da Fragen zu globalen Ungleichgewichten und der Zukunft des internationalen Währungssystems zunehmend ins Zentrum der Wirtschaftspolitik rücken.“
Gourinchas Forschung hat die Perspektive des Fachs in vielen Bereichen verändert, insbesondere auf Kapitalströme, Wechselkurse und globale Ungleichgewichte. Er zeigte, dass die Vereinigten Staaten wie ein globaler Finanzintermediär agieren: Sie geben sichere Dollar-Verbindlichkeiten günstig aus und investieren im Gegenzug in risikoreichere Vermögenswerte im Ausland. Dieses „exorbitante Privileg“ erklärt zum einen die anhaltenden US-Defizite, zum anderen aber auch, warum die USA in Krisen einen Großteil der Verluste tragen – und damit faktisch den Rest der Welt versichern. Die daraus resultierende, umfassendere Erkenntnis lautet: Globale Anpassungsprozesse vollziehen sich nicht nur über Handelsströme, sondern auch über Wertveränderungen bei im Ausland gehaltenen Vermögenswerten. Diese Erkenntnisse sind angesichts wachsender Handelsspannungen, Sorgen um die fiskalische Tragfähigkeit der USA und Debatten über die künftige Rolle des Dollar von besonderer Relevanz. Europas umfangreiche Bestände an US-Vermögenswerten unterstreichen zusätzlich, wie wichtig das Verständnis internationaler Finanzpositionen und Kapitalströme ist.
„Nur wenige Ökonominnen und Ökonomen haben ein derart weites intellektuelles Terrain kartiert; noch weniger haben diese Erkenntnisse so direkt in die Politik eingebracht“, sagt Schularick. „Gourinchas verbindet Grundlagenforschung mit einem außergewöhnlichen Verständnis für Herausforderungen der Weltwirtschaft – das macht ihn zu einem besonders passenden Träger des Bernhard-Harms-Preises.“
Gourinchas ist vor Kurzem an die UC Berkeley zurückgekehrt, nachdem er vier Jahre lang als Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF, 2022–2026) tätig war. Dort ist er heute S.K. and Angela Chan-Professor am Fachbereich Volkswirtschaftslehre. Gourinchas wurde in Frankreich geboren und wuchs dort auf. Er studierte an der École Polytechnique, bevor er 1996 am MIT promoviert wurde. Anschließend lehrte er in Stanford und Princeton, bevor er 2003 an die UC Berkeley wechselte. Gourinchas ist Vizepräsident des Centre for Economic Policy Research (CEPR) und Research Associate am National Bureau of Economic Research (NBER). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bernácer-Preis 2007 und den Prix du Meilleur Jeune Économiste 2008.
Über den Bernhard-Harms-Preis
Der Bernhard-Harms-Preis des Kiel Instituts wird seit 1964 an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen, die durch herausragende Forschung zur internationalen Wirtschaft sowie besondere Verdienste um die globalen Wirtschaftsbeziehungen hervorgetreten sind. Der Preis wird Gourinchas im Rahmen der Kiel-CEPR Conference on Geoeconomics verliehen, die am 3. und 4. November 2026 im Auswärtigen Amt in Berlin stattfindet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und nach Bernhard Harms benannt, dem Gründer des Kiel Instituts im Jahr 1914.
Zu den bisherigen Trägerinnen und Trägern des Bernhard-Harms-Preises zählen Abhijit Banerjee, Carmen Reinhart, Lord Nicholas Stern und Gita Gopinath.