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Wirtschaftspolitischer Beitrag

Time to Spend Smart: Ökonomische Leitlinien für kluge Verteidigungsausgaben

Kiel Policy Brief, 204

Autoren

  • Schularick
  • M.
  • Binder
  • J.

Erscheinungsdatum

JEL Classification

H56 H57 H41 O38 F5

Schlagworte

Verteidigungsausgaben

Governance

Resilienz

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Europäische Union & Euro

• Europa gab 2025 nach den USA weltweit am meisten für Verteidigung aus – sogar mehr als China. Dennoch verfügt Europa nur über einen Bruchteil der militärischen Fähigkeiten anderer Mächte. Bislang hat es Europa zudem versäumt, seine Aufrüstungsstrategie an neue Verteidigungstechnologien und die damit verbundene Massenproduktion kostengünstiger autonomer Systeme anzupassen.

• Im Kern der europäischen Verteidigung steckt weiter eine eklatante Ineffizienz: Europa unterhält 14 verschiedene Kampfpanzermodelle, die USA nur eines; Europa hat 23 Haubitzenvarianten, die USA zwei; bei U-Booten stehen 16 europäische Typen vier amerikanischen gegenüber. Die Fragmentierung der europäischen Verteidigungsplanung und Rüstungsbeschaffung entlang nationaler Grenzen sowie der kleinteilige Charakter nationaler Rüstungsproduktion führen zu geringen Stückzahlen, hohen Kosten und technologischem Rückstand.

• In keinem anderen Land ist die Herausforderung, stärker auf die erreichten Fähigkeiten statt auf die eingesetzten Mittel zu fokussieren, drängender als in Deutschland, wo die Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren auf das Dreifache steigen sollen. Wichtig ist dabei aus ökonomischer Sicht, dass Deutschland eine Verteidigungsstrategie verfolgt, die seinen komparativen Vorteilen entspricht: die Mobilisierung seiner Industriebasis – einschließlich des Ausbaus von Produktionskapazitäten – sowie Investitionen in das technologische Potenzial.

• Legt man diesen Maßstab an die verfügbaren deutschen Haushaltszahlen sowie an die vom Bundestag verabschiedeten Verpflichtungsermächtigungen an, ergibt sich ein ernüchterndes Bild. Nahezu das gesamte 100-Mrd.-Euro-Sondervermögen der Bundeswehr – rund 95% – wurde für traditionelle bemannte Plattformen gebunden, während der Kapazitätsaufbau gering blieb. Der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben stagniert bei rund 2% – weniger als ein Fünftel des amerikanischen Wertes.

• Wir formulieren fünf Grundsätze für deutsche Verteidigungsausgaben: (i) Vorrang für die Beschaffung von Innovationen und Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsausgaben auf mindestens 10% des Verteidigungshaushalts; (ii) Ausbau der Produktionskapazitäten durch Kapazitätsverträge statt klassischer Stückzahlbeschaffung; (iii) Ausweitung der Unterstützung für die Ukraine als kurzfristig kostengünstigster Weg zur Sicherheit in Europa; (iv) Aufbau eines gemeinsamen europäischen Rüstungsmarktes; (v) gemeinsame Finanzierung – einschließlich Eurobonds – für den Aufbau von gemeinsamen europäischen Verteidigungskapazitäten der nächsten Generation als erster Schritt hin zu einer integrierten europäischen Verteidigung.

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Johannes Binder
    Kiel Institute Researcher
  • Prof. Dr. Moritz Schularick
    Präsident

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