Kiel Institut in den Medien
Soll die Bundesbank Gold aus Amerika zurückholen?
Erscheinungsdatum
Geldpolitik
Deutschland
Die Sorge wächst, dass die bei der US-Notenbank lagernden Goldbestände nicht mehr vor Trumps Zugriff sicher sind. Leser fragen: Soll die Bundesbank Goldreserven zurückholen? Ein Ökonom des Kiel Instituts für Weltwirtschaft sagt: Nein.
Gold als Devisenreserve hat bis Ende 2025 mit etwa 21 Prozent den Euro vom zweiten Platz als internationale Devisenreserve verdrängt. Über sechs Jahre seit 2019 bedeutet das einen Anstieg von etwa 6 Prozentpunkten. Dafür gibt es mehrere Gründe. (...)
Diese geopolitisch bedingten Unsicherheiten und Unruhen haben auch auf die Frage übergegriffen, ob die bei der Fed in New York gelagerten deutschen Goldbestände noch sicher vor einem Zugriff Donald Trumps sind. Jahrzehntelang entstanden sie aus den deutschen Leistungsbilanzüberschüssen und dem Bretton-Woods-System mit dem Dollar als Ankerwährung. Die New York Fed-Niederlassung war der wichtigste Handelsplatz für den Goldhandel der Zentralbanken und den Wechsel von Gold zu den wichtigsten Handelswährungen.
GRÜNDE GEGEN EINEN RETRANSFER
Ende 2012 lagerten noch 45 Prozent der deutschen Goldreserven dort und nur 30 Prozent in Frankfurt. Zwischenzeitliche Verlagerungen zugunsten des Frankfurter Standorts (...) gingen ohne öffentliche Begleitmusik geräuschlos über die Bühne. Diese Ruhe ist vorbei und setzt den Eigentümer ( Bundesbank ) wie den Lageristen (New Yorker Fed) unter Rechtfertigungszwang, die bisherige Lagerstellenpolitik beizubehalten und das Gold nicht nach Frankfurt zu retransferieren. Es gibt vier Gründe, an dieser Politik festzuhalten und das Gold in New York zu belassen.
Erstens würde die Bundesbank mit dem Retransfer Zweifel am Vertrauen in die Souveränität der Fed wecken und die Allianz der unabhängigen Notenbanken untergraben. Sie wäre ein Dolchstoß in den Rücken der US-Notenbank zu einem Zeitpunkt, an dem der neue Chef um die Unabhängigkeit der Fed kämpfen muss. (...)
Zweitens könnte eine medial begleitete Gold-Rückführung die sensible Koordination der Geldpolitiken der Fed und der EZB empfindlich stören. (...)
Drittens könnte Donald Trump eine Rückführung nicht nur als Angriff auf seine Person und seine Politik sehen und entsprechend aggressiv reagieren, sondern ihn vielleicht ermuntern, die Hand auf die Goldbestände anderer Länder bei der New Yorker Fed zu legen und sie unter Regierungskontrolle zu stellen. Etwa siebzig internationale öffentliche Einrichtungen und Zentralbanken halten Goldbestände in New York. (...)
Viertens würde das Umlagern von Gold Ressourcen kosten und wäre unwirtschaftlich beim normalen geräuschlosen Umschichten von Goldbeständen zwischen den Notenbanken, die an den drei wichtigsten Finanzplätzen der Welt (New York, London, Frankfurt) tätig sind, wo auch das Gold liegt. Ein friktionsloser Wechsel in die wichtigsten Reservewährungen, wie er täglich erfolgt, würde erschwert.
Quintessenz: Die Diskussion um Goldbestände war und ist stets emotionsgeladen, medial belastet und konfliktträchtig. Die Akteure sollte sich an die Lehre aus Richard Wagners Rheingold halten: Ruht das Gold fest und gut bewacht an einer Stelle, bleibt alles friedlich. Wird es bewegt und an die Oberfläche gebracht, entbrennt ein Kampf. Eine Götterdämmerung an den Finanzmärkten ist das Letzte, was die Welt heute braucht.