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Kiel Institut in den Medien

„Nichts würde Putin mehr beeindrucken als das Wissen, dass Deutschland ernst macht“

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Dass Europa in Angst lebt und Amerika Stärke ausstrahlt, sei eine europäische Entscheidung, kritisiert Top-Ökonom Moritz Schularick. Er fordert ein Ende der europäischen Kleinstaaterei in Verteidigungsfragen, eine gemeinsame Armee, gemeinsame Rüstungsausgaben – finanziert mit gemeinsamen Schulden. (...)

 

Unzufrieden ist Moritz Schularick. Vor allem damit, wie Deutschland seine Verteidigungsmilliarden investiert. "Wir machen alles wie bisher, nur mit mehr Geld", kritisiert der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW). Das Beschaffungsmanagement stamme aus den 80ern. Schlimmer noch, nur ein verschwindend geringer Teil der Gelder gehe in Forschung. Der Ökonom fordert entsprechend grundlegende Änderungen.

 

WAMS: Blickt man auf den Jahresanfang zurück, sieht man eine dramatische Verschlechterung im transatlantischen Verhältnis. Der US-Präsident drohte sogar mit der Eroberung Grönlands. Welche Botschaft sollte Europa daraus mitnehmen?

 

SCHULARICK: Es gibt zwei: Erstens: Das ist eine neue Weltordnung, kein gradueller Übergang, sondern ein Bruch. Die regelgebundene Ordnung nach 1945 unter US-Führung ist kaputt; Interessen werden wieder mit Machtmitteln durchgesetzt. Zweitens: Europa zählt nur, wenn es zusammensteht, geschlossen, schnell, entschieden. Genau das fällt uns schwer.

 

SCHULARICK: (...) Mit 27 Staaten, die jeweils ein bisschen in Verteidigung investieren, werden wir nicht stark. Die USA wären mit 50 kleinen Armeen und 50 Verteidigungsministerien auch keine Weltmacht.

 

WAMS: Sollten wir so stark werden, dass neben Russland auch die USA uns nicht ungestraft angreifen?

 

SCHULARICK: Natürlich sollten wir das. Alles scheint immer unmöglich, bis es jemand macht. 2026 muss das Jahr sein, in dem wir begreifen: Europäische Kleinstaaterei in der Verteidigung macht Europa nicht stark, sondern handlungsunfähig. (...)

 

WAMS: Sind wir Deutschen bei der Kapitalmarktunion die Bremser?

 

SCHULARICK: Auch. Viele Partikularinteressen nagen das Projekt aus. In Deutschland sind es Sparkassen, Insolvenzverwalter und andere, die Vorbehalte gegen Teile der Banken- und Kapitalmarktunion haben. Dabei brauchen wir dringend mehr Wettbewerb in Europa und keine nationalen Reflexe. Ökonomisch lässt sich nicht erklären, dass sich die Bundesregierung schützend vor die Commerzbank gestellt hat, als eine italienische Bank sie kaufen wollte. Im Fall von Grönland haben wir uns einmal geeinigt und gesagt: Zur Not schlucken wir die Kosten eines Handelskriegs mit den USA. Es hat gewirkt. Wir gewinnen nur gemeinsam. (...)

 

WAMS: Sie reden von einer Verzahnung von Verteidigungs-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Welches Ministerium soll das verantworten?

 

SCHULARICK: Das gehört eindeutig ins Kanzleramt. Wir brauchen einen deutschen Rüstungszaren": jemand, der koordiniert, Prioritäten setzt und Kapazitäten plant. Im Ersten Weltkrieg gab es dafür Walther Rathenau, die Briten hatten Lord Beaverbrook im Zweiten Weltkrieg. Nichts würde Putin mehr beeindrucken als das Wissen, dass Deutschland ernst macht und zum ökonomisch-industriellen Rückgrat europäischer Verteidigung wird. Derzeit plant in Berlin niemand, welche Produktionskapazitäten wir im Konfliktfall brauchen und verknüpft das mit industriellen Investitionen: (...)

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