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Hamburg als Großaktionär: Eine Belastung für Hapag Lloyd

Kiel Focus

Autoren

  • Holger Görg

Erscheinungsdatum

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Die Hansestadt Hamburg wird zum Großaktionär bei Hapag-Lloyd. Sie wird ihren Aktienanteil um 420 Millionen Euro aufstocken und damit mehr als ein Drittel der Anteile halten. Ist das eine gute Sache? Eher nicht, weder für die Hansestadt noch für Hapag Lloyd.

Kiel Institut Expertinnen und Experten

  • Prof. Holger Görg, Ph.D.
    Forschungsdirektor

Die Hansestadt Hamburg wird zum Großaktionär bei Hapag-Lloyd. Sie wird ihren Aktienanteil um 420 Millionen Euro aufstocken und damit mehr als ein Drittel der Anteile halten. Ist das eine gute Sache? Eher nicht, weder für die Hansestadt noch für Hapag Lloyd.

Die Hansestadt ist hochverschuldet, sie steht mit knapp 26 Milliarden Euro in der Kreide. Die zusätzlichen Investitionen bei Hapag-Lloyd sind da kein guter Einsatz der knappen Finanzmittel. Der Hansestadt geht es vorrangig um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Hamburg, vor allem im Hafen. Ein durchaus ehrbares Ziel, das auch ökonomisch sinnvoll sein kann. Aber der Weg ist falsch. Besser wäre es, die strukturellen Probleme des Hafens zu lösen.

Die Herausforderungen dort sind die immer größeren Containerschiffe. Und die Veränderungen der Handelsströme: Auf Asien, vor allem China, entfällt ein immer größerer Anteil. Hamburg hat eine gute Lage für den transatlantischen Handel, dieser Vorteil zählt aber nicht viel für die Abwicklung des asiatischen Handels. Dieser Tatsache muss man sich stellen und über zukunftsfähige Lösungen nachdenken.

Diese Herausforderungen werden über den Umweg Hapag-Lloyd aber nicht gelöst. Ganz im Gegenteil, denn dieser wirtschaftspolitische Eingriff kann zu Ineffizienzen führen und damit auch negative Folgen für Hapag-Lloyd selbst mit sich bringen.

Hamburg wird der größte Anteilseigner und kann damit Unternehmensentscheidungen beeinflussen und eigene Ziele durchsetzen. Dies scheint ja auch teilweise die Absicht, soll doch Hapag-Lloyd am Standort Hamburg gehalten werden. Die öffentliche Hand ist aber leider kein guter Unternehmer, das können andere besser. Dafür gibt es unzählige Beispiele und Belege in ökonomischen Studien.

Im Falle Hamburgs denke man nur an die HSH Nordbank, die eine Zeit lang die Negativschlagzeilen beherrschte. Bei Beiersdorf wurde Hamburg 2003 Anteilseigner, um den Einstieg eines ausländischen Investors zu verhindern. Für die internationale Wettbewerbsposition von Beiersdorf hat das aber keine Vorteile gebracht, ganz im Gegenteil.

Hapag Lloyd ist ein Unternehmen im internationalen Wettbewerb. Um in diesem Konkurrenzkampf zu bestehen, muss solch ein Unternehmen frei agieren können. Auch – oder vor allem – wenn es um die Wahl der optimalen Schifffahrtsrouten, Umschlagshäfen und Standorte geht. Es kann sich keine ineffizienten Entscheidungen leisten.

Außerdem: Beim Einstieg eines privaten Investors, sei es aus dem Ausland oder aus Deutschland, wäre es unwahrscheinlich, dass er kurzfristig die Unternehmenszentrale verlegt oder aus dem Hamburger Hafen abwandert. Dafür sind die gewachsenen Strukturen zu wertvoll. Sollte auf lange Sicht jedoch eine Umorientierung notwendig sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so muss Hapag-Lloyd diese auch durchführen können. Auch wenn es Hamburg schmerzt.

Jetzt wird die Zukunft des Unternehmens mit der des Hamburger Hafens verwoben, da die Hansestadt als Großaktionär eher ihre lokalen Interessen vertritt und nicht die globale Perspektive im Visier hat. Es könnte sich herausstellen, dass dies zu einer Belastung für Hapag-Lloyd wird.

(leicht überarbeitete Version eines Artikels im Handelsblatt vom 23. Februar 2012 unter dem Titel „Hamburg ist der falsche Aktionär“)