Wirtschaftspolitischer Beitrag
Auf dem Weg ins Debakel: Die Diskrepanz zwischen dem KI-Anspruch der EU und ihrer Energieplanung.
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JEL Classification
Schlagworte
Innovation und Strukturwandel
Digitalisierung
Europa
• Das globale Rennen um die KI-Führerschaft hat begonnen, und Europa versucht, vorne mitzuspielen. Es besteht jedoch eine deutliche Diskrepanz zwischen der Planung von Rechenzentrumskapazitäten und der Stromversorgungsplanung in der EU.
• Trotz ambitionierter Pläne droht die EU im globalen KI-Rennen weiter zurückzufallen: China will seine Rechenzentrumskapazität bis 2030 verdreifachen, die Vereinigten Staaten sind dabei, sie zu verdoppeln, wodurch Europa mit deutlich geringeren Anteilen an der globalen Kapazität zurückbleibt.
• Der Strombedarf der EU-Rechenzentren wird sich in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich verdoppeln, von etwa 80 auf 168 TWh. Die obere Grenze dieses Bereichs entspricht dem gesamten Elektrizitätsbedarf einer europäischen Industrienation, beispielsweise dem Bedarf von Polen im Jahr 2024. Der Anteil des gesamten EU-Strombedarfs, der auf Rechenzentren entfällt, wird daher rasch von rund 2% im Jahr 2023 auf rund 5% im Jahr 2030 ansteigen.
• Die Deckung des zusätzlichen Strombedarfs, der durch Rechenzentren entstehen wird, ist nur möglich, wenn der Verbrauch der übrigen Wirtschaftsbereiche weit gehend konstant bleibt. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, da der Bedarf auch in anderen Sektoren steigen wird, insbesondere im Wohnungsmarkt (Wärmepumpen) und im Verkehrssektor (Elektrofahrzeuge).
• Bis 2030 entsteht dadurch eine erhebliche Lücke zwischen Strombedarf und verfügbarer Elektrizität, die dem Netto-Stromverbrauch von Ländern wie Belgien oder Finnland im Jahr 2024 entspricht. Ohne vorausschauende Planung droht der Europäischen Union ein gefährliches Trilemma: Sie müsste zwischen Wachstum, Klimaneutralität und einer führenden Rolle im KI-Rennen abwägen.