EZB sollte den Fokus auf den Dollar-Euro- Wechselkurs legen
Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins heute konstant zu lassen:
„Der Dollar-Euro-Wechselkurs ist momentan stärker im Fokus als der Leitzins der EZB. Während eine Leitzinsanpassung aufgrund der stabilen Inflationsentwicklung momentan nicht erforderlich scheint, würde eine temporäre Wechselkursstabilisierung sowohl die Inflationsrate als auch das Wirtschaftswachstum im Euroraum unterstützen. Die Marke von 1,20 US-Dollar für einen Euro, die kürzlich überschritten wurde, gilt als Grenze, ab der die Effekte der Euro-Aufwertung stärker auf die Wirtschaftsentwicklung in der Eurozone wirken. Insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft leidet unter einem starken Euro, während gleichzeitig günstigere Importe die Inflationsrate in der Eurozone insgesamt unter das Inflationsziel drücken könnten.
In dieser Situation sollte die EZB eine Devisenmarktintervention in Betracht ziehen, um die Marke von 1,20 US-Dollar pro Euro als Obergrenze zu halten. Um keinen weiteren Effekt auf die Liquidität in der Eurozone zu entfalten, sollten die Geschäfte mit gegenläufigen Wertpapiertransaktionen ausgeglichen werden. Gegebenenfalls wäre eine Koordination mit der Schweizer Nationalbank sinnvoll, da der Schweizer Franken ebenfalls zum US-Dollar aufgewertet hat. Dies würde verhindern, dass es zu Verwerfungen im Euro-Franken-Wechselkurs kommt.“